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Lassen Sie uns zunächst in ein exotisches Blütenmeer abtauchen, von einer Farbenpracht blenden, einen betörenden Duft imaginieren. Wenn das geglückt ist, sind wir in einem druckfrischen Buch angekommen, das den Sommer im Titel und im Gepäck trägt. Sommernomaden der talentierten österreichischen Jungschriftstellerin Marianne Jungmaier ist beim Wiener Verlag Kremayr & Scheriau erschienen, wo sie bereits ein Jahr zuvor ihr famoses Romandebüt Das Tortenprotokoll vorlegte. Genau zu diesem Zeitpunkt startete der Verlag mit Pauken und Trompeten sein erstes Literaturprogramm, das mit großem Hallo aufgenommen wurde (Verlagsporträt hier). So beherzt, wie man startete, ging es im Frühjahr 2016 weiter und geht es weiter in diesem Herbst. Neben Jungmaiers Blumenbuch erscheinen der Roman Lied über eine geeignete Stelle für eine Notunterkunft von Simone Hirth und Iris Blauensteiners Roman Kopfzecke.

2016-07-20 17.03.07Die Stories Sommernomaden tragen nicht nur Stempel der ganzen Welt auf ihren eingestreuten Fotobuchseiten in der Art von Postkarten, sie tragen auch bereits jetzt schon den Stempel „absolute Muss-Sommerlektüre“. Das wärmend Melancholische, Anziehende, Aufregende und Flüchtige dürfte dennoch in jeder Jahreszeit für sie einnehmen. Tatsächlich ist die Nomadin aus Marianne Jungmaiers Band nicht allein unterwegs auf dem Globus, von den Hirten- und den digitalen Nomaden einmal angesehen, auch andere Autorinnen schicken ihre Figuren fröhlich auf Reisen wie jüngst Ulrike Ulrich in Draußen um diese Zeit oder Margit Mössmer ihre Gerda in Die Sprachlosigkeit der Fische. Irgendwo dürften sich ihre Wege kreuzen. Es zeigt sich, dass das eigene Unterwegssein für die Schreibenden traditionell ein ergiebiges literarisches Terrain ist. Das Fremde ist das Verlockende heißt es gemeinhin.
In Sommernomaden kann es gar nicht fremd und weit weg genug zugehen. Die zehn Erzählungen führen an zehn und mehr Ziele – Länder, Städte, Gegenden, Wüsten, Nicht-Orte, familiäre Vergangenheitsorte, Behausungen, Schlösser. Magisch lenken sie ebenfalls zu anderen außergewöhnlichen Menschen, finden diese wieder und führen auch immer ins Innere der Erzählerin selbst. Sie hat dafür eigens den „Reiseführer für Fremde“ kreiert, den „ungeschriebenen Atlas der Unbekannten, die man einmal Freunde nennen wird (…) Benutzt man diesen Reiseführer, kann man sichergehen, das richtige Land zu entdecken.“ Der Atlas ist wie ihr Leitstern. Besonders schön ist das im ersten Text „Indien“ nachzulesen, wo „es keinen Grund gibt, eine vergangene Version seines Selbst zu bleiben“ und dieses von einer kurzen, intensiven Liebe verschlungen wird. Selbst der Sex wird darin mit einer Reise verglichen. Aber nicht nur der Atlas lotst durch die Welt, einen weiteren gemeinsamen Nenner der Geschichten bilden Verhaltensmuster und Gefühle: I’m pretending to belong there“, ein Zu-Hause-sein-Gefühl, der Wunsch allein zu sein, das Lachen, das Herzflattern.

„Es ist das Los und Privileg von Nomaden, überall aufzutauchen und wieder verschwinden zu können, nirgends und doch überall ein Zuhause zu haben.“

5ec3b2e9faf8d83abcf9fd15ba6585e2„Leben im Transit: Die Erzählerin treibt zwischen den Ländern der Welt umher, auf der Suche nach einem Woanders. Sie feiert Partys in der Wüste Kaliforniens, verliebt sich in Indien, begibt sich auf Selbsterfahrung im Urwald Brasiliens. Nicht die Orte sind es, die faszinieren, sondern die Menschen, die ihr auf der Reise begegnen und genau wie sie selbst: Suchende, Freigeister, Einsame und Liebende sind.
Marianne Jungmaier zeichnet einzigartige Charaktere und magische Begegnungen, Orte, die zutiefst heimisch und doch fremd sind. Ihre Geschichten erzählen aus dem Inneren der Ferne und machen vor allem eines: süchtig.“ (Verlag Kremayr & Scheriau 2016)

  • Marianne Jungmaier: Sommernomaden. Stories. Wien: Verlag Kremayr & Scheriau 2016. 192 Seiten. 19,90 Euro (A)

 

 

Senta Wagner (sentafoto)

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