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Schoenett_Der Private AbendtischWas könnte ein Meerauge bloß sein? Es hat bestimmt was mit Magie und Farbe zu tun, mit Legenden und Eiszeit. Tatsächlich wurden gleich zwei Meeraugen entdeckt: ein kleines Gewässer im Bodental in den Karawanken und ein Gletschersee in Polen in der Hohen Tatra. Ein weiterer staunenswerter Fund ist die Edition Meerauge aus Klagenfurt, die bibliophile Reihe für zeitgenössische Literatur im geschichtsträchtigen Verlag Johannes Heyn, gegründet 2010. „Bücher wie Meeraugen“, die gibt es dort, bestimmt so tiefgründig, selten und schillernd wie die obigen Naturwunder. Das Programm ist also überschaubar, bewegt sich im Prosabereich. Im Frühjahr erschien ein Titel, gleichzeitig bereits das vierte Meerauge der österreichischen Schriftstellerin Simone Schönett. Ihr Roman Der Private Abendtisch wird als „literarischer Glücksfall“ bezeichnet, die Gestaltung ist hingebungsvoll.

„Mari hat sich eine Existenz als freischaffende Köchin aufgebaut und betreibt zusammen mit Freundin und Sommelière Vera den Privaten Abendtisch: Drei Mal pro Woche bewirtet sie Gäste in ihrem Haus. Ein Haus, das die Form einer Bienenwabe hat, ein behaglicher Kosmos der Selbstbestimmtheit, den sie nur selten verlassen muss. Ihre Kinder, die Zwillinge Max und Mimi, machen gerade die Matura, mit ihrem Ex-Mann ist Mari noch immer gut befreundet, auch Liebhabern ist sie nicht abgeneigt – Mari geht es gut.

Bis sie eines Tages – »Wann war das gewesen?« – von beunruhigenden Attacken befallen wird. Als stecke etwas in ihrer Kehle fest, in immer kürzeren Abständen kehrt es wieder, »dieses Recken«. Denn ihr Körper erinnert sich an etwas, für das Mari selbst zunächst alle Vorstellungen, alle Worte fehlen …

»An jenem Abend, als sie mit den Gästen am Abendtisch aß, dachte ich keinen Moment daran, dass ich ihr mit jedem Punkt, den ich setzte, jedem Kreis, den ich zog, meine unerinnerte Hölle servierte, sie ihr praktisch auf dem Teller schon preisgab.«“ (Edition Meerauge 2014)

  • Simone Schönett: Der Private Abendtisch. Roman. Klagenfurt: Edition Meerauge 2014. Fester Einband, geripptes Surbalin, Blind- und Folienprägung, Fadenheftung, Lesebändchen. 204 Seiten. 23,90 Euro.

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In den Herbst geblinzelt erscheint im Oktober 2014 als „Special außer der Reihe“ das Buchdebüt von Miriam H. Auer: die Umnachtungsnovelle Hinter der Zeit.

„Antonym Vogel, genannt Anto, ist kein komischer Kauz. Zumindest nicht auf den zweiten Blick. Immerhin arbeitet er als Müllmann in Bad Bizarr-Margharita/Verlärntenreich, wo er sich nicht nur mit seinen eigenen Lebensplagen, sondern auch mit all den Bizarrern und Reichen herumschlagen muss, die ihr von Einkaufszentren und Ideologien zweifelhafter Herkunft motiviertes Leben führen. Doch ganz so allein, wie es ihm scheinen mag, wenn er unter dem wachsamen Blick seiner ramponierten Kuscheltiere Neolo und Gismo seine Urzeitkrebse füttert, ist er nicht.
Da gibt es zum Beispiel Anna, einfach zu schreiben, schwieriger zu fassen, die Antos Anwesenheit braucht, um »einfach Anna« zu sein. (…)
Und da ist nicht zuletzt die Sprache, die dem nach außen hin unspektakulären Helden zur Seite steht. Sie verknüpft verspielt die Schreibenden des Buches – von der Autorin bis zum Dreigoschenopa, vom dichtenden Anto bis zu den Zettelwerkfundstücken, die der Arbeiter in Orange auf seinen täglichen Mülltouren zu einem richtungsweisenden Puzzle zusammensetzt.

Miriam H. Auers Debüt strotzt vor Lust am Erzählen und Erfinden, wimmelt von Figuren und Paradoxien, spielt frech mit Worten und Gattungen eine ebenso kritisch-realistische wie fantastisch-romantische Umnachtungsnovelle.“ (Edition Meerauge 2014)

  • Miriam H. Auer: Hinter der Zeit. Umnachtungsnovelle. Klagenfurt: Edition Meerauge 2014. Ca. 200 Seiten. Ca. 17,90 Euro. Erscheint im Oktober 2014

 

 

 

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2 Kommentare zu “Post aus Wien – Bitte zu Tisch!

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