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Bisher noch nicht im Schaufenster des Hotlistblogs platziert wurde die Edition Atelier, mit vollem Namen Literaturverlag Poll GmbH. Hier ist sie also. Angetippt die bewegte Verlagsgeschichte, in der man zurückblättern kann bis in die 1980er-Jahre. Verlagsgründer war der 1986 verstorbene österreichische Schriftsteller und Politiker Jörg Mauthe. Vielmehr war die Edition Atelier zu Beginn ein publizistisches Anhängsel an Mauthes kulturpolitische Zeitschrift Wiener Journal. Im Jahr 2002 kam es zu einer Übernahme beider Organe durch die Wiener Zeitung, dann wurde es still. Den Riesenschritt in die aufregende Unabhängigkeit geht die Edition Atelier 2011 und konzentriert sich seitdem mit einem vielfältigen Angebot auf die zeitgenössische Literatur, vor allem made in Austria. Die Romane von Jörg Mauthe werden freilich in Neuauflagen parat gehalten, ebenso wie weitere Werke ausgewählter Dichterinnen und Dichter des vorigen Jahrhunderts im Programm sind (Hilde Spiel, Walter Buchebner).

Gerade aber auch für junge Schreibtalente ist die Edition Atelier eine höchst interessante und lustvolle Plattform der Formen und Genres: Mit der Reihe Textlicht rücken hübsch gestaltete Paperbacks kurze Texte ins Licht, anderswo hätten sie nicht den Weg in die Druckerei, dann zwischen zwei Buchdeckel gefunden. Wer es erfrischend und vergnüglich mag, hier ist keine Prosa länger als hundert Seiten. Textlicht ist Literatur, die „unter die Haut geht und im Kopf bleibt“! Zu diesem Versprechen gibt es das Abonnement der Reihe gleich mit dazu. Die Reihe Wiener Literaturen hat auch eine gewichtige Aufgabe zu tun: Unter der Herausgeberschaft von Alexander Kluy „präsentiert sie Literatur aus und über Wien von bekannten wie vergessenen in dieser Stadt wirkenden Autoren und Autorinnen“. Im Frühjahr war dies der Zeitroman Das Rapportbuch von Dorothea Zeemann. Im Juli meldet sich Joseph Roth mit Feuilletons und Texten (Nacht und Hoffnungslichter), feiert er doch bereits seinen 120.Geburtstag am 2. September.
Weil die Welt Zeitschriften braucht, gibt es davon zwei: Keine Delikatessen (zweimal jährlich erscheinende Literaturzeitschrift) und bellelit (zweimal jährlich erscheinendes Magazin für Literatur). Sachbücher zu Kultur, Literatur und Gesellschaft machen einen Punkt an das Programm der Edition Atelier.

„Wir konnten einfach nicht anders!“ heißt es im Verlegerbrief zum Frühjahrsprogramm. Was sind schon acht Titel? Für einen Kleinverlag sind das viele, und es ist daraus ein beeindruckendes „Programm der Wiederbegegnungen“ geworden, von „literarischem Nachschub“ ist die Rede. Zu entdecken gibt es auch ein Debüt und zweimal Textlicht.

Das Debüt
Der Romanerstling Das lange Echo von Elena Messner geht als vielstimmiges Werk das Erinnern im starken Erinnerungsjahr 2014 an. Das Buch wird angekündigt als „Plädoyer für eine gemeinsame europäische politische Erinnerungskultur“. Messner_Echo_Cover

„Ein österreichisch-ungarischer Offizier im Ersten Weltkrieg, seit 1916 im besetzten Belgrad stationiert, erlebt in bitterer Verzweiflung den Zusammenbruch seines Reiches. Hundert Jahre später sitzen die Direktorin des Wiener Heeresgeschichtlichen Museums und ihre Assistentin einander im Streitgespräch über Moral und Mitleid, Verbrechen und Verantwortung gegenüber.
Ein Roman über sinn- und schamlos vergeudetes und zerstörtes Leben, über ein finsteres Kapitel der österreichischen Geschichte und über die Sehnsucht nach Aussöhnung.“ (Text: Edition Atelier 2014)

  • Elena Messner: Das lange Echo. Wien: Edition Atelier, März 2014. Gebunden. 184 Seiten. 18,95 Euro

 

Ein Textlicht
Ilir Ferra ist ein aus Albanien stammender und in Wien lebender Autor, der mit seinem ersten auf Deutsch veröffentlichten Roman Rauchschatten (Edition Atelier, 2012) ordentlich aufhorchen ließ und über Migrantenliteratur hinausweist. Im Herbst erscheint ebendort sein zweiter Roman Minus. So passt wunderbar dazwischen die kurze Prosaarbeit Aus dem Fluss der Reihe Textlicht, in der sich ein Sprachenwandler mit Sprache und Leben beschäftigt.Ferra_Fluss_Cover_2D-faa2ab67

„Eine Reise durch die Magie der weiten Welt der Sprache ist das neue Buch von Ilir Ferra. Es geht der Aufgabe von Worten auf den Grund, erzählt vom Schreiben und vom Schweigen, aber auch von der Entstehung der Zahlen und der Bedeutung scheinbar zufällig gewählter Gegenstände. Aus dem Fluss sind neun poetisch-reflexive Prosaskizzen, die zur Ent­schleunigung aufrufen – und zum Innehalten und Rückbesinnen auf die Eigenartigkeit des Lebens.“ (Text: Edition Atelier 2014)

  • Ilir Ferra: Aus dem Fluss. Prosa. Wien: Edition Atelier, Januar 2014. 80 Seiten. 7,95 Euro
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Ein Kommentar zu “Post aus Wien – narzisse schwerkraft echo fluss

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