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Fortsetzungsgespräch mit der österreichischen Schriftstellerin Teresa Präauer. In den kommenden Wochen und Monaten reden wir über alles: Literatur, Kunst, Schreiben, Lesen, Trash, Nagelstudios, Vögel, Liebe und Hass.

Hier gehts zur ersten Fragerunde.

 

(3) Neulich beim Elfriede-Gerstl-Abend hast du danach im Gespräch mit anderen so auf eine lustige Weise beiseite gesprochen, vor dich hin geredet, performt. „Beiläufig“ à la Gerstl. Was passiert da?

Zu den unterschiedlichen Stimmen, nämlich im privaten Gebrauch, werde ich nicht viel sagen. Es gibt sicher so etwas wie ein zitathaftes Sprechen bei mir, das sich auch auf das Gespräch mit Freunden überträgt. Der Stimmenimitator von Bernhard fällt mir dazu ein. Ich bin vielleicht eine Comicstimmenimitatorin, und damit bin ich nicht allein auf dieser Welt. Bei meiner Antwort werde ich zum Beispiel vom Schreibprogramm gezwungen, eine gelbe Korrekturfarbe zu verwenden. Ich finde den Knopf nicht, der mich jetzt wieder zur schwarzen Farbe zurückbringt. Das passt aber zu dieser Antwort. Bin aber dankbar für Rettung: und ihr die Farbe für die Veröffentlichung schwärzen könnt. (Das war jetzt nicht schwierig, Teresa!)

(3) Du bist keine Ornithologin, hast aber einen besonderen Draht zu Vögeln und anderen Tieren. Wärst du selbst gerne eins? Vogel, Affe, Fisch? Alle Arten sind ja in der bildenden Kunst und auch in der Literatur brauchbare Protagonisten. Deine mir bekannte erste Publikation sind die wunderbaren Taubenbriefe (2009), farblose Vogelfantasien mit poetischen Einzeilern, wo die enge Verbindung zwischen Zeichnen und Schreiben noch besonders deutlich ist. 2012 erscheint dann dein Romandebüt Für den Herrscher aus Übersee. Auch hier spielen Vögel eine Rolle, wie war der Weg dorthin? Hast du angefangen Bilder in Text zu übersetzen?

Ja, ich denke, das ist ein Weg. Vom Bild zum Text. Wer visuell denkt, denkt konkret und gegenständlich-analytisch. Es gibt eine Bildlogik, die sich auf Textlogik übertragen lässt – und die man auch dann, im Schreiben, wieder verlässt.
Tiere interessieren mich persönlich kaum. Sie interessieren mich aber als Abbildung, als Papier, als Repräsentanz. Ich habe einen Draht zu Tieren aus Lexika und auf Fotos, in Büchern und als Wörter. In der Natur können sie von mir aus machen, was sie wollen.

Die Häufung von Tieren in meinen Texten ist zu beobachten aus diesem Grund, aus einem Interesse für das Vermittelte im Gegensatz zum Unmittelbaren. Das Unmittelbare stellt im Weiteren erst der Text selbst literarisch her. Ich bewege mich in der Natur des Textes, dort finden sich Tiere. Das Tier bei mir hat vielleicht mit der Verkleidung und der Fabel mehr zu tun als mit der äußeren, beobachtbaren Natur, die uns umgibt. Natur plus x, das wäre mein Kunstgesetz.
Ich habe in Berlin über „Tier werden“ gesprochen, das war die Antrittsvorlesung an der FU, es ging um eine Mischwesenhaftigkeit zwischen Mensch und Tier und zwischen Welt und Fiktion. Bei der Mainzer Poetikdozentur schränkte ich den Begriff ein und lenkte den Blick auf das künstliche Fell, Fake Fur, das wir uns um die Schultern legen. Künstlichkeit ist für mich ein wichtiger Begriff, Künstlichkeit, in der etwas Anrührendes, Wahrhaftiges, Tölpelhaft-Ehrliches aufblitzt. Nicht durchschimmert, das wäre bereits eine Gewichtung, nein, ich denke, dass innerhalb des Zitathaften etwas Authentisches steht und steckt und zu finden ist. In dieser Kombination schillert etwas.

 

 

  • Teresa Präauer, geboren 1979, ist Autorin und bildende Künstlerin und lebt in Wien. Sie studierte Malerei und Germanistik in Salzburg, Berlin und Wien. Und schreibt regelmäßig für Zeitungen und Magazine zu Theater, Kunst, Literatur, Mode und Pop. Ihr Roman Für den Herrscher aus Übersee wurde mit dem aspekte-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Prosadebüt ausgezeichnet. 2014 erschien der Künstlerroman Johnny und Jean, 2017 der Roman Oh Schimmi (alle Wallstein Verlag). Nicht zu vergessen die Taubenbriefe von Stummen und anderer Vögel Küken (Edition Krill), dreißig Karten „zum Versand in alle Welt geeignet“.

 

(Foto Teresa Präauer © Katharina Manojlovic)

Senta Wagner

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