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grasset-giraffentheater „Warum haben Zebras Streifen und Giraffen so lange Hälse? Wie orientieren sich Mistkäfer in der Savanne? Und weshalb schlagen die Gazellen auf der Flucht so seltsame Haken? Wo sich zwei Thesen streiten, gibt es noch eine dritte, das zeigt Léo Grasset klug, begeisternd und witzig. Aus der Trickkiste der Evolution.“ (Text: Verlag Klaus Wagenbach)

Giraffentheater enthält fünfzehn gutgelaunte, geradezu übermütige zoologische „Anekdoten“. Witz zeichnet sie aus, ohne Frage, da ist die amtliche Überschrift des Vorworts – „Präambel“ – um so überraschender: eine Irreführung, oder ein Ulk.

Léo Grasset ist vom Fach, und das merkt man. Doch seine Sachkenntnis teilt sich auf lockere Weise mit, so dass sich die Leserin/der Leser in einen hochbrauigen Zustand versetzt fühlen, als starrten sie auf Zauberkunststücke. Wann hat man das schon mal, außerhalb der Zirkusarena? Hier geht’s aber um einen anderen Sand: nicht Zirkussand, sondern Savannensand. Trotzdem, was man zu sehen kriegt, kommt der Zauberei und der Artistik nah, z. B. dies, dass „die Behausungen der Termiten bis zu fünfhundert Mal größer als sie selbst“ sind. Gut, dass Le Corbusier oder Oscar Niemeyer das nicht wussten, oder doch?

Das Buch ist in vier größere Abschnitte unterteilt: „Die Evolution in hellem Aufruhr“, „Verhaltensweisen der Tiere“, „Lustige Tierchen“ und „Der Mensch und die Savannen“. Die darunter versammelten, nennen wir sie vorläufig so: Tierbiogramme geben eine Idee davon, mit welchen Problemen sich Biologen (und Zoologen) wie Grasset herumschlagen; eines der bekanntesten ist oben schon genannt:
„Warum haben Zebras Streifen?“ Daran anschließend, kann sich der Stadtbewohner überlegen, warum Fußgängerübergänge gestreift sind und nicht
z. B. gekugelt oder kariert. Dies ist aber nicht Gegenstand von Grassets Untersuchung.

(c) D.R.

(c) D.R.

Die stolzen achtzehn Seiten mit weiterführenden Lektürehinweisen am Ende des Buchs zeigen, dass es dem jungen Biologen bei allem Spaß mit der Wissensvermittlung Ernst ist. Ein komischer Ansatz ist ja nicht das Schlechteste, um die Leute mit Inhalten zu befreunden, die sonst vielleicht nicht die ihren sind, und die doch insofern essentiell mit ihnen zu tun haben, als wir alle Teil der Tierwelt sind.

Die Kapitelüberschriften ahmen teilweise die Sprache der Sensationspresse nach.
„Der Honigdachs, eine Massenvernichtungswaffe“ oder „Der König der Löwen – Schockierende Enthüllungen“, heißt es dann z. B. augenzwinkernd. Da merkt man Grasset den Blogger und YouTuber an, der sein Publikum anlocken und bei Laune halten möchte – es gelingt ihm auch in Buchform absolut.

„Die humorvolle Mischung von Kuriositäten und neuester »Feld- und Savannenforschung« macht das Buch zu einer amüsanten Lektüre, die anregend belehrt und vor allem gut unterhält.“ (Text: Verlag)

Ein Wort zur Aufmachung: Die Gestalterin des Wagenbach Verlags, Julie August, hat sich von der Frage nach den Streifen des Tigerpferds (so kann man auch zum Zebra sagen) dazu anregen lassen, diesen 215. Band der Reihe SALTO nicht in das bereits klassische rotleinene Kleid zu wickeln, sondern ihm stattdessen ein, man muss schon sagen: extravagantes Zebracape umzuhängen. Das schöne SALTO-Rot (das A bitte auf dem Kopf stehend denken) ist trotzdem immer noch da, nur hat es sich zurückgezogen in die Wörter: Giraffentheater, Anekdoten, aus, der, Savanne, Wagenbach – und SALTO (gepurzeltes A, siehe oben). Aus denen leuchtet es, wie man’s von der (immer auch politischen) Wagenbach’schen Markenfarbe kennt. (Meinolf Reul)

Inhalt: Der Penis der Hyänenweibchen – Giraffentheater – Gazellen beim Würfeln – Warum haben Zebras Streifen – Das Geheimnis der orgelspielenden Termiten – Die La-Ola-Welle der Impalas – Diktaturen der Elefanten, Demokratien der Büffel – Geschlecht, Manipulation und Antilopen – Pillendreher orientieren sich nach der Milchstraße – Elefantenbeben – Der Honigdachs, eine Massenvernichtungswaffe – Der König der Löwen – Schockierende Enthüllungen – Die Fabrik für kindertötende Löwen – Aride Lawinen – Und die Menschen?

Weiteres
Blogbeiträge von Léo Grasset in: Dans les testicules de Darwin

Dirty Biology. YouTube-Kanal von Léo Grasset

Léo Grasset, Giraffentheater. Anekdoten aus der Savanne. Aus dem Französischen von Till Bardoux. 144 Seiten, bedrucktes Leinen, Fadenheftung. Mit 25 Illustrationen und sechs Schwarz-Weiß-Fotos. 21 x 11,5 cm. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2016. 17,00 Euro

Dieser Beitrag ist eine Übernahme von indiebook.de (leicht gekürzt)

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