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Den echten Langschnabeligel oder Zaglossus (lat.), ein imposantes stacheliges Säugetier mit Schnabel, gibt es nur in Neuguinea oder vielleicht im Zoo. Zaglossus ist in unserem Fall der Namenspate eines kleinen, etwas mehr als fünf Jahre alten Wiener Verlags. Die Begegnung der beiden war kein Zufall, stellt doch das Igeltier, das ganz und gar nicht säugetierlike Eier legt, die Biowelt ziemlich auf den Kopf. Der Zaglossus Verlag tut es auf seine Weise, löst gängige Kategorien auf und schöpft aus der Buntheit der Lebensentwürfe mit der Aufforderung an uns „auch einmal den Blickwinkel zu ändern!“. Das Programm ist „schwerpunkt­mäßig – aber keines­wegs ausschließlich – auf die Lebens­welten von queeren Personen, ihre Geschichte und Gegen­wart ausgerichtet“.

91u4CUaZUGLOlja Alvir – Kein Meer

Die Kinder der jugoslawischen Sezessionskriege sind ins Schreibalter gekommen und spüren auf literarisch vielfältige Weise einer Zeit nach, die sie hinter sich gelassen haben, die sie aber dennoch einholt. Olja Alvir, seit dem Krieg in Wien lebend, tut dies in ihrem Debütroman, bei dem auch das Äußere gefällt, auf direkte, schambefreite Art.

Meer, du Arschloch, was träume ich auch noch von dir.

„Als Kind ist Lara Voljić mit ihren Eltern vor dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien geflohen. Heute schreibt sie provokant und schonungslos in ihrem Beauty-Blog gegen die sterile Ästhetik der Mode- und Schönheitsindustrie an und gibt Tipps zu Intim-Waxing genauso wie zur richtigen Hautpflege nach dem Ritzen.
Als sie das Tagebuch ihres verstorbenen Großvaters findet, liest sie darin über den vermeintlichen Heldentod ihres Onkels den Satz: „Es sollte so aussehen, als sei er im Kampf umgekommen und nicht durch Folter.“ Also macht Lara sich auf, um herauszufinden, was mit ihrem Onkel zwanzig Jahre zuvor passiert ist.
Zu jung, um das Recht zu haben, vom Krieg traumatisiert zu sein, aber auch zu alt, um nichts mehr damit zu tun zu haben – Olja Alvir fügt Laras Reise zu einer Collage aus Texten zusammen, die zwischen bitteren Erkenntnissen und amüsierten Beobachtungen pendeln.“ (Zaglossus Verlag 2016)

Senta Wagner

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