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Lange schon haben wir keinen Blick mehr in die Bücherregale des Salzburger Verlags Jung und Jung geworfen, der sich nun schon seit über fünfzehn Jahren vom Zauber, der Kraft und der Vielfalt der Sprache, der Schreibweisen und Welten becircen lässt und Garant für Bücherfreundschaften ist. Jung und Jung ist nicht nur Heimat namhafter, preisgekrönter deutschsprachiger und übersetzter Schriftstellerinnen und Schriftsteller, sondern kümmert sich seit einer Weile auch mit einer speziellen Bibliothek (hg. v. Bernhard Fetz) um „Österreichs Eigensinn“. Darin finden sich etwa Werke von Gert Jonke, Karl Kraus und Ernst Jandl.

Auch für besondere Entdeckungen auf dem Globus ist der Verlag zuständig. In rascher Folge erschienen in den Frühjahren 2015 und 2016 zwei Romane von Lafcadio Hearn erstmals auf Deutsch. Tatsächlich wurden sie auch im englischen Original in dieser engen Abfolge veröffentlicht: 1889 Chita und ein Jahr später Youma. Manche Funde brauchen ihre Zeit. Hearn, bekannter als japanischer Geistergeschichtenerzähler, galt mit seiner älteren Prosa, verfasst vor seinem Einzug in Japan, als unbekannt. Jetzt haben sie großen Erfolg, das „Meisterwerk“ Chita ist in zweiter Auflage./sw

size_150_image514Youma

Lafcadio Hearn war ein Prototyp des „Global Citizen“: geboren in Griechenland, auf Lefkados, daher der Name. Einer eher unrühmlichen Schulkarriere in Großbritannien folgten Lehr- und Herrenjahre in den USA, wo er zu schreiben begann und ein angesehener Reporter wurde, der mit seiner Faszination für alles Nonkonforme und Abseitige zu begeistern wusste. „I am pledging myself to the worship of the Odd, the Queer, the Strange, the Exotic, the Monstrous,“ schrieb er in einem Brief. Ein Unikum war er auch. In Japan fand er spät eine neue Heimat, die würdig war, dort endgültig vor Anker zu gehen. Als er starb, kannte man ihn als Verfasser, mehr noch als Vermittler traditionell japanischer Geistergeschichten. Und unter dem Namen Koizumi Yakumo.
Ehe er in Japan strandete, verlor er sein Herz jedoch an die Tropen. Eine Reise nach Martinique und das Studium der kreolischen Folklore, der Voodoo-Kultur und den Menschen im Allgemeinen gaben ihm Stoff für einen besonderen kleinen Roman, der nun wiederzuentdecken ist. Die Titelheldin Youma ist eine Amme im Haus reicher weißer Kreolen. Sie ist unfrei, aber stolz, würdevoll, stark. (Natürlich ist sie auch atemberaubend schön.) Youma stellt ihr Leben, das so schicksalhaft vorbestimmt scheint, kaum in Frage, aber Martinique ist im Umbruch begriffen, ein politischer Sturm liegt in der Luft. Die Geschichte wird gewissermaßen aus dem Auge dieses Sturms heraus erzählt, nur weiß Youma davon anfangs noch nichts.
Dass dieser eigenwillige und dichte Roman nun wieder gelesen werden kann, verdankt sich besonders dem Übersetzer Alexander Pechmann, der immer wieder ein sicheres Händchen für lesenswerte Kuriosa beweist. Er hatte zuvor bereits Hearns Roman Chita übersetzt, der wie Youma eine literarische Naturgewalt in kleinem Format ist.

  • Lafcadio Hearn: Youma. Aus dem Englischen von Alexander Pechmann. Salzburg: Verlag Jung und Jung 2016. 140 Seiten. 17,90 Euro

Jana Volkmann

Unsere Gastrezensentin und Autorin ist ebenso begeisterte Hearn-Leserin wie Japanreisende. In einer Rezension in der Buchkultur 164 hat sie sich mit Hearns Japans Geister auseinandergesetzt, erschienen ebenfalls 2015 in der Anderen Bibliothek. Volkmanns Debütroman Das Zeichen für Regen (hier zu Interview und Buchvorstellung) spielt ebenfalls auf dem Inselstaat. Wir freuen uns über ihren Beitrag und sagen besten Dank.

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