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Volkmann_Das_Zeichen_fuer_Regen_Cover_2D_webNicht nur auf dem gesamten Globus gibt es Hotels, auch in den Künsten kommen sie vor und seit vergangenem Herbst ebenfalls in Romanform bei der Edition Atelier aus Wien.
Dann gibt es unzählige Gäste und noch unvergleichlich viel mehr Zimmermädchen. Kein Hotel funktioniert ohne ihre stillen, unsichtbaren und stereotypen Dienste. Auch Irene ist ihrem Metier auf eine gewisse Art verfallen. Sie ist die Heldin in dem Debütroman Das Zeichen für Regen der jungen Schriftstellerin Jana Volkmann, bei der es erfrischend hinaus in die Welt geht. Irene verlässt ihre Heimat Berlin weit genug, um ihrem Leben einen neuen Dreh zu geben. Ihren Wunschort Kyōto hat sie sich aus der Literatur und von ihrem Freund abgeguckt.
Dort angekommen fehlt ihr jedes Gefühl der Fremdheit, die Erinnerungen an ein Früher als Studentin werden dünn. In die beiden Teile des Buches, einem Vorher und Nachher gleich, werden nur wenige Berlin-Kapitel gestreut.
Wie ein Schwamm saugt Irene ihre neue Umgebung innerhalb und außerhalb des Hotels auf, abseits der Pfade bewegen die Leser sich mit ihr an Schauplätze der Farben, Fische, Tempelanlagen und Geschichte. Kyōto bedeutet Berge, Himmel, Regen und Ordnung. Sie selbst entgleitet einem zusehends, ist sie doch ein ebenso schillerndes wie ungreifbares Wesen. An einer Stelle heißt es: „… irgendetwas schien mit ihr nicht zu stimmen.“

Volkmann lässt ihre Figur sich kunstvoll in der Fuge zwischen Wirklichem und Fiktion verlieren, spätestens seit der Gast aus Zimmer 1009 in Irenes „Leben herumschleicht“ verabschiedet sich die Autorin vom engen realistischen Schreiben.
Wenn es die Literatur tatsächlich schafft, Menschen an fremde Orte zu locken, dann zählt die filigrane und virtuose Prosa von Jana Volkmann ab sofort dazu. Auf nach Japan!

Lesen Sie dazu das Interview mit Jana Volkmann auf culturmag.de, es gibt dort auch schöne Fotos zu sehen.

  • Jana Volkmann: Das Zeichen für Regen. Wien: Edition Atelier 2015. 203 Seiten.

 

Senta Wagner

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