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Umschlag_Piroge_3.inddAbasse Ndione, Die Piroge

„Dreißig Afrikaner, Frauen, Männer, Jugendliche, die aus verschiedenen Dörfern im Landesinneren Senegals kommen und noch nie das Meer gesehen haben, wollen aus dem afrikanischen Elend auf die Kanarischen Inseln und nach Europa fliehen.

Sie verabschieden sich von ihren Familien und stehen dann nach einer langen Busfahrt ängstlich am Strand, beobachten das Meer und sehen zum ersten Mal auch das Schiff, eine Piroge, die dem Fischer Baye Laye gehört.

Während der langen Überfahrt, auf der sie sich langsam kennenlernen, steigern sie sich bei zunächst gutem Wetter in unglaubliche Erwartungen, was ihre Zukunft in Europa betrifft. Doch es zieht ein fürchterlichen Sturm herauf, sie verlieren Kaaba, den zweiten Steuermann, und das Boot wird schwer beschädigt. Sie sind verzweifelt, aber da naht ein Schiff …

Das Buch, 2008 bei Gallimard in Paris erschienen, ist in seiner schlichten, eindringlichen Erzählweise zu einem Klassiker der gegenwärtigen afrikanischen Literatur geworden. Auf kleinstem Raum entfaltet der Roman ein großes Drama, das von Millionen Menschen unterschiedlichster Herkunft, die um ihre Lebenschancen kämpfen.”
(Text: Transit Verlag)

Leseprobe:
„Nachdem sie zuerst die Bonne Mère Fatou Fall und danach die Air Guet Ndar eingeholt und hinter sich gelassen hatten, änderte sich im Laufe des Vormittags ganz plötzlich das schöne Wetter, das seit ihrer nächtlichen Abfahrt vor etwas mehr als einer Woche geherrscht hatte, mit spiegelglattem Meer, Windstille und beständig blauem Himmel. Mit atemberaubender Geschwindigkeit zogen große dunkle Wolken am Firmament auf und verdeckten die Sonne zur Gänze. Ein heftiger Sturm brach los. Über das aufgewühlte Meer wogten große Wellen mit weißen Schaumkronen, auf und ab, auf und ab, immer höher, und rissen dabei die Piroge mit sich. Die Passagiere, vom jähen Wechsel der Elemente überrascht und erschreckt, blieben wie angenagelt auf ihren Bänken sitzen, stumm, mit großen Augen, angst- und schreckensstarren Gesichtszügen. In Blitzesschnelle waren die Naturgewalten losgebrochen. Das Pfeifen des Windes verwandelte sich in ein fürchterliches Heulen. Eine Riesenwelle, hoch wie ein zehnstöckiges Gebäude, hob die Piroge bis zu ihrer Spitze hinauf, schleuderte sie brutal in einen tiefen Schlund, stürzte sich mit apokalyptischem Getöse auf sie und überschwemmte sie völlig. Das Boot verschwand unter dem Wasser, tauchte wieder auf, wie ein Pfeil, bis oben hin mit Wasser gefüllt, schiefliegend, den Bug Richtung Himmel, stellte sich wieder gerade, wobei die Hälfte des Wassers abfloss, und wurde unverzüglich von der nächsten, noch riesigeren Welle erfasst.”

Die Verfilmung („La Pirogue”) in der Regie von Moussa Touré wurden im Mai 2012 in Cannes uraufgeführt und erhielt zahlreiche Preise, auch in Deutschland [Goldener Tanit, Filmfestival Karthago 2012, ARRI-Preis (Bester internationaler Film) Cannes, Filmfest München; Prix Lumière 2013, Preis der Evangelischen Filmarbeit April 2013)].

Der Autor zusammen mit seiner Frau. Foto: (c) Angelika Diekmann

Der Autor zusammen mit seiner Frau. Foto: (c) Angelika Diekmann

Abasse Ndione, 1946 in einem senegalesischen Fischerdorf in der Nähe von Dakar geboren, besuchte zunächst eine Koran- und dann eine französische Schule und arbeitete bis vor kurzem als Krankenpfleger. Er schreibt in Wolof und auf Französisch.
Er lebt im Senegal.

Abasse Ndione, Die Piroge. Roman. Aus dem Französischen (Senegal) von Margaret Millischer. 96 Seiten, gebunden. 18 x 12 cm. Transit Verlag, Berlin. 14,80 Euro

PS.
Beim letztjährigen ZEBRA Poetry Film Festival wurde u. a. dieser Zweiminüter von Susanne Wiegner gezeigt (Text und Sprecher: Björn Kuhligk), der die sogenannte Flüchtlingsproblematik eindringlich vor Augen führt.
(Die Schutzsuchenden sind aber ‘nur’ das Symptom der eigentlichen Problematik, nämlich der EU-Waffenexporte, Auslandseinsätze, subventionierten Lebensmittelexporte zum Schaden und Untergang der heimischen Wirtschaft usw., über die selten gesprochen wird.)

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