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Hotlist 2015 LogoDie Edition Korrespondenzen im Selbstporträt

Die Edition Korrespondenzen wurde im Jahr 2000 von Franz Hammerbacher in Wien gegründet. Reto Ziegler, von Anfang an als Lektor im Team, übernahm die Verlagsleitung im Jahr 2008. Die für die heutige Verlagsbranche außergewöhnliche Kontinuität des Programms der Edition Korrespondenzen wird u. a. daran deutlich, dass die Ansage aus der ersten Verlagsvorschau auch 2015 unverändert Gültigkeit hat: „Ein Programm der Verlangsamung inmitten aller Beschleunigung. Poetische Korrespondenzen über Sprachräume und nationalstaatliche Horizonte hinweg.“

imageDrei Fragen an Verleger Reto Ziegler

1. Warum haben Sie sich für Tumor linguae entschieden? Was könnte den Titel zum besten Buch aus unabhängigen Verlagen machen?

Ich habe mich für „Tumor linguae“ von Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki entschieden, weil mit diesem Gedichtband nicht nur ein herausragender polnischer Autor von europäischem Rang in kongenialer Übersetzung von Uljana Wolf und Michael Zgodzay vorgestellt wird, sondern dieses Buch auch exemplarisch für die besondere Stärke von Independent-Verlagen steht: das Sichtbarmachen von Unbemerktem, das Entdecken von Neuland, das Denken von den Rändern her. Auf Tkaczyszyn-Dycki treffen diese Qualitäten gleich in dreifacher Hinsicht zu – geografisch, sprachlich und thematisch: Aufgewachsen im Grenzgebiet zur Ukraine, sprach er bis zu seinem 15. Lebensjahr Chachlackisch, eine aussterbende polnisch-ukrainische Mischsprache, die gleichsam zum Substrat seiner auf Polnisch verfassten Lyrik wurde. Angezogen von allem, was wir gerne ausgrenzen und als Schmutz betrachten (Tod, Krankheit, (Homo-)Sexualität, Psychiatrie, Kreatürlichkeit), hat Tkaczyszyn-Dycki ein mittlerweile umfangreiches, singuläres dichterisches Werk geschaffen, das ihm dem Ruf eines Erneuerers der polnischen Poesie einbrachte. Mit allen wichtigen Literaturpreisen seines Landes ausgezeichnet und längst zum Kultautor avanciert, ist Polens rätselhaftester Gegenwartslyriker auch im deutschsprachigen Raum auf bestem Wege, ein stetig wachsendes Publikum zu begeistern.

2. Was ist das Besondere an Ihrem Verlagsprogramm, an Ihrer Philosophie?

Es geht darum, dem Wort einen Ort zu schaffen. Im Mittelpunkt unseres Engagements steht eine sprach- und formästhetisch orientierte Literatur, in der das Abenteuer von Sprache und Welt immer wieder neu gewagt wird. Oft sind das Texte, die sich zwischen den Genres bewegen. In welches Regal das jeweilige Buch gestellt wird, darf jede Buchhändlerin, jeder Leser selbst entscheiden. Alle Bände werden sorgfältig ediert und in hochwertiger Ausstattung herausgebracht. Lyrik aus anderen Sprachräumen publizieren wir in der Regel zweisprachig.

3. Was bedeutet für Sie unabhängiges Verlegen? Darf es weitergehen wie bisher?

Unabhängiges Verlegen heißt, dass nicht Auflagenhöhe und Breitenwirkung zum höchsten Kriterium erhoben wird, sondern das Erkennen der Notwendigkeit bestimmter Bücher das verlegerische Handeln bestimmt, mit anderen Worten: literarischer Verstand; dass also Titel verlegt werden, die auch Jahre später noch genauso lesenswert sind. Natürlich freut man sich, wenn die Autoren und ihre Bücher erfolgreich sind, denn dies hilft auch dem Weitergehen weiter, was hoffentlich weiter so weitergeht.

www.korrespondenzen.at

zum Buch siehe Hotlistlesen (2)

Wir danken Reto Ziegler herzlich für Rede und Antwort und wünschen seinem Verlag alles Gute!

Senta Wagner (der Beitrag erscheint auch bei „We read Indie„)

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