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20150920_161611Was fällt mal so richtig auf in diesem Bücherjahr? Welcher Verlag es bisher noch nicht getan hat, der setzt seit Frühjahr und Herbst auf das schier unerschöpfliche und konkurrenzstärkste Reservoir der Literatur. Sachbuch meets Belletristik. Eine Gratwanderung, weiß auch das junge Wiener Verlagshaus Hollitzer, das seit seiner Gründung 2010 als Wissenschaftsverlag sein programmatisches Augenmerk auf Werke der Theater-, Musik- und Operngeschichte sowie der Kulturgeschichte gelegt hat. Zahlreiche Buchreihen, Monografien, Sammelbände u. a. sind bisher erschienen.

Taufrisch bei Hollitzer sind nun neben den etablierten Nischenprodukten drei Romane, ein Drama, ein Essay; der Bogen wird gespannt von „literarischen Schätzen aus Österreich“ (von Robert Schindel), über anspruchsvolle, junge Literatur bis zu Erstübersetzungen südosteuropäischer Literatur, die sich im Moment mit dem Namen der serbischen Bestsellerautorin Gordana Kuić und ihrem Familienepos Der Duft des Regens verbindet. Einmal mehr geht es bei Hollitzers neuer Literaturreihe um „Entdeckungen abseits des Mainstreams“, die intensive Betreuung der Autorinnen und Autoren und darum, als kleiner Verlag einen Luxus zu leben „in einer Zeit, in der zumeist Kostenoptimierung und Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund gestellt werden“.

Ferra-RauchschattenIn atemloser Folge sind im Juli und August auch die beiden bekannten Romane Minus und Rauchschatten des preisgekrönten, albanischstämmigen Autors Ilir Ferra erschienen, jetzt quasi als „Director’s-Cut“-Fassungen im Taschenbuchgewand. Gesehen wurden sie bereits in früheren Jahren bei der Edition Atelier aus Wien. 2012 erhielt Ferra für sein Debüt Rauchschatten den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis. Nichts hat das Werk von seiner betörenden Kraft, Poesie und Reife verloren.

„Mit tiefgründiger Poesie wirft Ilir Ferra in seinem Romanerstling Licht auf das Leben einer albanischen Familie in den Achtzigerjahren.
Ein verträumter Junge entflieht dem diktatorisch grauen Alltag und findet in der Manga-Comic-Welt, die er aus dem italienischen Fernsehen kennt, eine Insel für seine Fantasie.“ (Hollitzer Verlag 2015)

  • Ilir Ferra: Rauchschatten. Wien: Hollitzer Verlag 2015. 176 Seiten. 8,90 Euro. E-Book: 4,99 Euro

 

Ferra-Minus„Was treibt Menschen dazu, sich mitten am Tag in finstere, kleine, verrauchte Wettlokale zu begeben, um dort in völliger Monotonie und Abschottung ihren gesamten Lohn, ihr Arbeitslosengeld, ja selbst die Kinderbeihilfe für ihren Sohn, ihre Tochter, in kleine Wettscheine aus Thermopapier umzuwechseln und damit auf Spiele zu setzen, die bereits vor Jahren stattgefunden haben?
Der junge österreichische Autor Ilir Ferra hat sich über ein Jahr dieser Frage gestellt, indem er in einem Wettbüro in der Niederhofstraße selbst die Stelle eines Einschreibers angenommen hat, als Mittelsmann zwischen Spielern und Wettsystem. Seine Erfahrungen und Beobachtungen bündelt er zu einem Roman von filmischer Dichte, in dem der Leser durch das Auge des Ich-Erzählers auf Tuchfühlung mit den sonderbarsten und gleichzeitig alltäglichsten Menschen geht.
Für sie ist die Zukunft, die mit jedem Spiel neu beginnt, allein die Möglichkeit zu gewinnen. Alles andere, Vergangenheit, Gegenwart, hört auf zu existieren. Doch die Zukunft zieht schneller ab, als man denkt, und was bleibt, ist ein substanzielles Minus, ein Mangel auf Lebenszeit.“ (Hollitzer Verlag 2015)

  • Ilir Ferra: Minus. Wien: Hollitzer Verlag 2015. 448 Seiten. 9,90 Euro. E-Book: 8,99 Euro

 

Senta Wagner

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