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geb_SUHöchste Zeit, die Reihe „Romane aus Frankreich” fortzusetzen, in der seit Dezember 2014 folgende Titel vorgestellt wurden:

(1) Julia Deck, Viviane Élisabeth Fauville (Wagenbach Verlag, 17.12.2014)

(2) Christophe Bataille, Absinth (Elster Verlag, 19.12.2014)

(3) Emmanuel Carrère, Alles ist wahr (Matthes & Seitz Berlin, 20.12.2014)

(4) Éric Vuillard, Kongo (Matthes & Seitz Berlin, 7.1.2015)

(5) Victor Serge, Schwarze Wasser (Rotpunktverlag, 27.1.2015)

(6) Alain Mabanckou, Morgen werde ich zwanzig (Verlagsbuchhandlung Liebeskind, 31.3.2015)

Heute geht es weiter mit Shumona Sinha und ihrem äußerst aktuellen, nach einem Baudelaire-(Prosa-)Gedicht benannten, Werk Erschlagt die Armen!, das in der Edition Nautilus in Hamburg herausgekommen ist, die seit je ein gutes Händchen für politische Literatur und Themen hat. / mr

Der Skandalroman aus Frankreich über die Unlebbarkeit des Asylsystems, erzählt in verstörend schönen Bildern.

„Erschlagt die Armen!” ist Titel eines Prosagedichts von Charles Baudelaire, und die Protagonistin dieses Romans scheint ihn wörtlich genommen zu haben: Die junge Frau schlägt einem Migranten in der Metro eine Weinflasche über den Kopf und findet sich in Polizeigewahrsam wieder. Dort soll sie sich erklären:
Was treibt eine dunkelhäutige Frau indischer Abstammung, die in der Asylbehörde als Dolmetscherin zwischen Asylbewerbern und Beamten vermittelt, zu einer solchen Tat? Täglich übersetzt sie das Jammern und die Lügen der Asylbewerber, deren offensichtliches Elend der Behörde nicht reicht – und ist angewidert vom System, deren Teil sie geworden ist. Als Migrantin bleibt sie fremd in den Augen der Beamten, aber auch für ihre ehemaligen Landsleute ist sie fremd – als eine, die es geschafft hat. Schließlich scheint es auch für sie in der menschengemachten Enge der Welt keine andere Begegnung als den Angriff zu geben.

Erschlagt die Armen! ist ein zorniger Roman, der in kraftvoller, bilderreicher Sprache aufrüttelnde Fragen zu Identität und Zusammenleben in einer globalisierten Welt stellt.”
(Text: Edition Nautilus)

Eine Leseprobe gibt es hier.

„Ein unsentimentaler, leidenschaftlicher Beitrag zum Flüchtlingsdrama, der nicht behauptet, Flüchtlinge seien die besseren Menschen. Sie träumen nur von einem besseren Leben.” – EMMA

Shumona Sinha, geboren 1973 in Kalkutta, lebt seit 2001 in Paris. Nach der Veröffentlichung von Erschlagt die Armen! 2011 verlor sie ihre Arbeit als Dolmetscherin bei der französischen Migrationsbehörde. Ende 2013 erschien ihr dritter Roman Calcutta, ebenfalls vielfach ausgezeichnet. Sie veröffentlichte mehrere Gedichtbände auf Französisch und Bengalisch. 2008 erschien ihr erster Roman Fenêtre sur l’ Abîme.

Die Autorin kommt im November / Dezember zu einer Lesereise nach Deutschland.
Alle Termine auf der News-Seite des Verlags.

Shumona Sinha, Erschlagt die Armen! Roman. Aus dem Französischen von Lena Müller. Deutsche Erstausgabe. 128 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag. Edition Nautilus, Hamburg 2015. 18,00 Euro

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