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Wer dem Werben der Circe widersteht, wird kurzerhand in einen Buntspecht verzaubert. So erging es jedenfalls dem Sagenkönig Picus. Wer schon so heißt, der muss auch so aussehen. Jener oder ein anderer Specht ist seit seiner Gründung das Signet des Wiener Picus Verlags und steht für die bunte Vielfalt des Buchprogramms. Das Lebensalter des Holzklopfers wurde vom Bücherspecht schon längst überrundet. In diesem Jahr feiert der Verlag sein 30-jähriges Jubiläum, 30 Jahre Unabhängigkeit.

Gute Gewohnheit ist es bei Picus, Monat für Monat ein „Buch des Monats“ zu bewerben und ein Kapitel aus diesem auf der Homepage zu veröffentlichen. Passend zum trüben Klima ist es im Mai der höchst lesenswerte Debütroman Nie mehr Frühling von Petra Hofmann, der es vom unverlangt eingesandten Manuskript auf einen Schlag ins Literaturfach bei Picus geschafft hat.
Hofmann umspannt auf unbefangene und dichte Erzählweise, im Ton ebenso sanft wie geradeheraus, ein ganzes Menschleben samt den traumatisierenden Grunderfahrungen dieser Generation wie Verlust, Tod und Schmerz. Äußerer Verfall, innere Leere, aufbrausende Verzweiflung und Verrücktheit gehen in dem Roman Hand in Hand. Inzwischen ist er für den Franz-Tumler-Literaturpreis 2015 nominiert, der an zeitgenössische deutschsprachige Erstlingsromane vergeben wird.

2019„Wie weit kann Liebe gehen? – Hermine ist sicher die eigensinnigste, lebenslustigste Frau im Dorf, als sie, verrückt vor Liebe, an einem Tag im Mai ihren Karl heiratet. Ewige Treue schwört sie ihm – bis in den Tod und darüber hinaus. Karls Einberufung in die Wehrmacht zerstört die Idylle jedoch auf einen Schlag. Hermine wartet auf ihn – ohne Rücksicht auf ihre kleinen Söhne und die Notwendigkeiten des täglichen Lebens. Sie weigert sich, den Tod ihres Geliebten zu akzeptieren, während sich die Frauen im Dorf längst den Mund über sie zerreißen und ihre Nachbarin Erna sie gleichermaßen beneidet wie verachtet. Der Krieg ist vorüber, das Leben in Deutschland geht weiter, aber Hermine lebt weiterhin in der Vergangenheit.
In Petra Hofmanns überwältigendem Debüt lebt ein Dorf irgendwo in Deutschland auf, ein Dorf, wie es viele gab: Begeisterte Soldaten und brave Frauen, die den Mantel des Vergessens ausbreiten wollen, junge Menschen, die vom Lebensglück träumen und inmitten all dessen eine starrköpfige Frau, die an ihrer Liebe zerbricht.“ (Picus Verlag 2015)

„Ich will nicht tanzen, sagt Hermine, ich will auch nicht lachen. Alles, was ich will, ist der Karl. Davon, dass er fort ist, tut mir alles weh. Am ganzen Körper tut es mir weh, auf der Haut und bis in die Seele hinein.“ (aus: Hofmann, Nie mehr Frühling)

  • Petra Hofmann: Nie mehr Frühling. Wien: Picus Verlag 2015. 232 Seiten. 19,90 Euro

Ein ausführliches Verlagsporträt gibt es von Nils Kahlefendt hier.

Senta Wagner

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