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DSC_0610Die Stadt Salzburg hat viel Selbstbewusstsein. An ihr kleben Etiketten wie „Rom des Nordens“, „Blenderstadt“, „Bühne der Welt“, „Kraftort“, „Mozartstadt“. Der Regen in Salzburg heißt Schnürlregen, weil er eine Art niedergehender nasser Fadenvorhang ist. Auch das muss man wissen, denn Salzburg ist eine Stadt der Sehenswürdigkeiten wie hingemalt für Touristenschwärme. In ihrer Mitte birgt sie mit ihrer Altstadt ein Weltkulturerbe. Nicht zu vergessen die weithin sichtbare Festung, diverse Schlösser, die Salzburger Festspiele, das Salzburger Literaturfestival. Ganz rege geht es zu. Stefan Zweig lebte hier, in seinem Schlössl gingen Dichterpersönlichkeiten aus aller Welt ein und aus. Thomas Bernhard arbeitete sich in seinen autobiografischen Stoffen an Salzburg ab, für Georg Trakl war es prägend und Peter Handke pendelt noch heute zwischen Frankreich und Salzburg, „einer dem Himmel auserkorene Geistesstadt“ … weiterlesen auf culturmag.

wickeFranziska Wicke – Handwerk in Belgrad
Oder hier geblieben bei einer Frühjahrsblüte des Verlags. Die bewundernswerte zweisprachige (dt./serb.) Fotodokumentation Handwerk in Belgrad der jungen deutschen Künstlerin Franziska Wicke ist ein stiller und intimer Streifzug in Belgrad durch ein ganz besonderes Gewerbe – als ob man einem Geheimnis, etwas Unbekanntem auf der Spur wäre. Wickes Fotos blicken mit Weitwinkel in Handwerksstuben und -stätten hinein, in denen oft auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen ist, was dort hergestellt wird. Es herrscht ein sympathisches Durcheinander. Bei anderen stehen die Produkte im Vordergrund. Es scheint gar in manchen die Zeit stehengeblieben zu sind, wenngleich die Aufnahmen und die Begleittexte, entstanden aus Erinnerungsspuren der Handwerksleute, vielmehr vom Werden, der Standhaftigkeit und vom Vergehen eines Berufsstands oft über mehrere Generationen erzählen. Sie alle verbindet ein einzigartiger Handwerksgeist, der sich auch länderübergreifend durch Sprachmigration von Handwerksbegriffen zeigt. Zugleich entsteht ein weiteres Bild außerhalb des Bandes, das Bild einer Stadt im Wandel, den die Menschen darin auf vielerlei Weise erleben.

„Mehr als zweihundert weiße Oberhemden für Tito nähte Jovanka, die Stiefmutter des Krawattenmachers Rajko Zečević – das Maß nahm sie persönlich am Regierungssitz.
Verica Petrović wollte eigentlich Kriminologin werden, jetzt webt sie unter anderem die Tücher zum Zusammenbinden der Hände des Brautpaars bei der kirchlichen Trauung. Der Buchbinder Svetislav Vukasović führt sein Handwerk mit der Deckelschere, „dekel šere“, aus – noch in der serbischen Sprache zeigt sich die Durchlässigkeit einer weltoffenen Arbeitswelt, die allerdings immer auch von politischen und ökonomischen Konjunkturen abhängig war. Der aus dem Kosovo stammende Wollkämmer Radomir Đinđic ist wohl einer der letzten seines Fachs, genauso wie der Bettdeckenmacher Predrag Janković.
Dutzende Belgrader Handwerker und Handwerkerinnen hat die Künstlerin Franziska Wicke in den letzten Jahren besucht. Aus ihren Fotografien und Gesprächen ist eine große Erzählung über Arbeit in der Vielfalt Europas entstanden; ein einzigartiges Diagramm von Migration und Handwerkskultur seit den Zeiten der österreichischen Monarchie, leise melancholisch wie die alte Stadt an den Ufern von Donau und Save.“ (Müry Salzmann Verlag 2015)

  • Franziska Wicke. Handwerk in Belgrad. Zanat u Beogradu. Salzburg: Müry Salzmann Verlag 2015. 96 Seiten mit zahlreichen Farbfotografien. 96 Seiten. 24 Euro;

Senta Wagner (+Fotos)

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Ein Kommentar zu “Indiemarktplatz – Der Müry Salzmann Verlag in Wort und Bild

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