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zoo_cover.inddMeinem vegan lebenden Mitbewohner P. verdanke ich die Begegnung mit der hochinteressanten Tierstudien-Reihe des in Berlin ansässigen Neofelis Verlags. Im April erscheint die neue Ausgabe mit dem Titel Zoo. Da fällt einem gleich Hilal Sezgin mit ihrem Buch Artgerecht ist nur die Freiheit ein (das sich allerdings mehr auf die Haltung von Nutztieren und Labortieren bezieht).
Aber was hilft’s. Den eigenen Fleischkonsum kann man einschränken oder abstellen – Tiergärten und -fabriken gibt’s weiterhin, die Frage der Tierethik bleibt aktuell.

Wie euphorisierend aber, wenn sich ein freilebender Löwe ins Arbeitszimmer oder in den Hörsaal verirrt, wie in Sibylle Lewitscharoffs  Roman Blumenberg! – nicht rundum gelungen übrigens (da inhomogen), doch lesenswert.
Mir persönlich reicht aber schon ein Fuchs im dämmrigen Gehölz seitlich des Radwegs. / mr

Jessica Ullrich (Hg.), Tierstudien 07/2015: Zoo

„Diese Ausgabe von Tierstudien ist dem Zoo gewidmet. Der Zoo ist sowohl als Arche Noah, Vergnügungspark, Tiergefängnis, Naherholungsgebiet, lebendige Enzyklopädie oder Artenschutzeinrichtung beschrieben worden.

Doch unabhängig von seinen unterschiedlichen Framings ist der Zoo realer Lebensraum für viele Tiere und oft der einzige Ort, an dem Menschen Individuen von Spezies sehen, die ursprünglich auf anderen Kontinenten heimisch sind.
Für John Berger ist der Zoo ein Denkmal für die Unmöglichkeit einer Begegnung zwischen Mensch und Tier. Er glaubt, dass Zoos die menschliche Sicht auf Tiere völlig verzerren, weil sie eine Situation schaffen, in der Menschen etwas ansehen, das absolut marginal geworden ist. Doch stimmt das? Sind Tiere in Zoos marginale Wesen?

Signet Neofelis Verlag (für vergrößerte Ansicht aufs Bild klicken)

Signet Neofelis (klicken für vergrößerte Ansicht)

In den vorliegenden Texten werden neben der historischen Zooentwicklung und verschiedener Zookonzeptionen, Ausstellungsformen und Gehegetypen auch mögliche Alternativen zum Zoo – etwa in Form des Ökotourismus – diskutiert. Die Beiträge kreisen aber auch um reale oder literarische Begegnungen von Menschen und Zootieren sowie um die (Un)möglichkeit tierlicher Privatsphäre und tierlicher Freiheit im Zoo.
Neben der Bühnenhaftigkeit der Zookulisse wird auch die Ausstellung von Menschen in sogenannten Völkerschauen in den Blick genommen sowie Beschäftigungsformen für Zootiere hinterfragt.”
(Text: Neofelis Verlag)

Mit Beiträgen von Judith Benz-Schwarzburg, Dagmar Burkhart, Filip van Dingenen, Priska Gisler, Colin Goldner, Anne Hölck, Christian Janecke, Madelaine Leitsberger, Frederike Middelhoff, Mieke Roscher, Julia Siegmundt, Jan-Erik Steinkrüger, Anna-Katharina Wöbse, Clemens Wustmans.

Jessica Ullrich (Hg.), Zoo. ca. 170 Seiten. 21 x 13.5 cm. Neofelis Verlag,
Berlin 2015. 12,00 Euro (das E-Book [pdf] ist zum selben Preis erhältlich)  Erscheinungstermin: April 2015

Zum selben Thema das folgende Buch von Sabine Scho, das bei kookbooks erschienen ist. Neben allem anderen, das zu loben wäre: ein Schmuckstück.

Scho, Tiere in Architektur„Zoologische Gärten sind Schnittstellen, die von dem Leben der eigenen mit der je anderen Art zeugen. Ihre Gestaltung spiegelt das Selbstverständnis einer Gesellschaft, die ihren Platz in der Evolution immer neu definiert. Beim Besuch eines Zoos verlangt es uns heute längst nicht mehr nach einem Abbild symbolischer Ordnung, wie sie noch die Menagerie Ludwigs XIV. verkörperte. Dessen Baumeister Louis Le Vau ordnete die Gehege in sogenannten Logen an. Der absolutistischen Herrschaftsidee entsprechend, richtete er diese konzentrisch zum Betrachterstandpunkt des Sonnenkönigs aus. Gerechte Hege erbaut uns heute mehr als gebaute Hegemonie. Nicht positivistischer Bildungshunger treibt uns, eher schon suchen wir in den Landschaftskulissen nach Reservaten der Sehnsucht. So hat sich das Projekt Zoo gleichsam invertiert: Künstlich bauen wir en détail wieder auf, was wir en gros zerstören. Große Freigelände ersetzen einzelne Gehegebauten und versammeln Lebensgemeinschaften unterschiedlichster Klimazonen … Der Zoo bleibt ein gerissenes Gelände, gleichermaßen zerrissen wie raffiniert reißerisch. Kulisse einer Menschensehnsucht, eingebettet in eine Urbanität, die er vergessen machen soll, obgleich sie ihn erst ermöglicht. Letztlich konkurriert er schon heute mit den Freigeländerevieren an den Rändern der Ballungsgebiete, die wiederum längst mit den angestammten Lebensräumen der letzten noch wild lebenden Tiere konkurrieren.”
Sabine Scho

„Schos schmaler Band wiegt auf seine Weise eine Menge staubiger Studien auf und gibt der Erkenntnis etwas zurück, was sie im akademischen Aufklärungs- und Postaufklärungsbetrieb verloren hat: Ihre sinnliche und witzige Komponente, ohne dass dadurch ihr ernstes Anliegen gestört würde, vielmehr wird es dadurch in seiner Ernsthaftigkeit noch bestärkt. Wollen wir von einem Wunder sprechen? Warum nicht.”
Jan Kuhlbrodt (die vollständige Rezension können Sie hier lesen.)

Sabine Scho, Tiere in Architektur. Texte und Fotos. 128 Seiten, davon 64 Fotoseiten. Fotos von Sabine Scho und Matthias Holtmann. Durchgehend 2-farbig, beiliegendes Thaumatrop, gestaltet von Andreas Töpfer. Broschur mit Umschlag-Poster. 21 x 13 cm. kookbooks, Berlin 2013. 19,90 Euro (= Reihe Prosa, Bd. 13)

Weiterhin thematisch verwandt, aber leider vergriffen, der Band Zoo von Eric Baratay und Elisabeth Hardouin-Fougier (Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2000). Daher hier zum Schluss ein – lieferbares – (Bilder-)Buch, das ich nur wärmstens empfehlen kann:

Peggy Rathmann, Gute Nacht, Gorilla

Rathmann, Gorillaxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
„Der kleine Gorilla stibitzt dem Zoowärter den Schlüssel! Und nun folgen die Zootiere ihrem Wärter bis ins Schlafzimmer.

Gute Nacht, Gorilla ist ein großartiges Bilderbuch für die Kleinsten. Es ist prächtig nachzuvollziehen, wie der kleine Gorilla dem Zoowärter den Schlüssel entwendet und dann die Tiere des Zoos, vom Elefant bis zum Gürteltier, dem müden Wärter bis ins Schlafzimmer folgen.

Und wenn nicht alle dessen Frau so höflich auf ihr ‚Gute Nacht, Liebling’ geantwortet hätten, hätten sie dort wohl auch bleiben können …”
(Text: Moritz Verlag)

Eine Leseprobe gibt’s hier.

Peggy Rathmann, Gute Nacht, Gorilla. Bilderbuch. 32 Seiten, Pappe.
Moritz Verlag, Frankfurt am Main 2006. 9,95 Euro (ab 2 Jahren)

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