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Deck, FauvilleAls Julia Deck ihren ersten Roman geschrieben hatte, schickte sie ihn an eine Reihe Verlage, aber nicht an ihren Lieblingsverlag, die Éditions de Minuit. Keine Chance, dachte sie.

Die Verlage lehnten ab, sie schrieb ihren zweiten Roman. Sie schickte ihn an die Éditions de Minuit, fertig.

Nach ein paar Tagen Anruf Irène Lindon. Et voilà!

Eine Geschichte, die übrigens ein Vorspiel hat; es reicht 35 Jahre zurück.

Damals, 1979, hatte Jean Echenoz sein erstes Buch abgeschlossen, und auch sein Lieblingsverlag waren die Éditions de Minuit – und an diese Adresse schickte er nicht seinen Erstling, nein, keine Chance.
Die Éditions de Minuit, Verlag von Samuel Beckett, Alain Robbe-Grillet, Marguerite Duras, Michel Butor … Wirklich: keine Chance.

Und alle Verlage senkten den Daumen über seinen Roman.
Um die Niederlage vollkommen zu machen, lieferte er eine Kopie bei den Éditions de Minuit ab. Fail. Fail again. Fail better.

Nach ein paar Tagen Anruf Jérôme Lindon. Ein Treffen im Büro. Der Vertrag.

Wir lernen daraus: Manchmal muss man den kurzen Dienstweg wählen. / mr

Julia Deck, Viviane Élisabeth Fauville

„Viviane Élisabeth Fauville ist Anfang vierzig. Was sie nicht mehr hat: ihren schönen Mann, ihr einstiges Zuhause. Was sie hat: eine zwölf Wochen alte Tochter, eine neue Wohnung voll mit nicht ausgepackten Umzugskisten, den Schaukelstuhl. Viviane hat ihren Psychoanalytiker getötet und rechnet nun jederzeit damit, dass man sie überführt. Die Tatwaffe ist gereinigt, die eigene Mutter als Alibi angegeben, ein Motiv nicht vorhanden … und doch.

Élisabeth verliert sich in Straßen und Metrogängen, lauert den übrigen Verdächtigen auf, sie fragt und forscht, das Baby im Arm. Dann entdeckt die Polizei, dass ihre Mutter seit acht Jahren tot ist. Es schneit in Paris und die Welt gerät ihr aus allen Fugen.

Karg, absurd und lakonisch, ist dieser atemlose Roman nur vordergründig eine Kriminalgeschichte – vor allem ist er ein meisterlich in Sprache gesetztes Spiel mit dem verblüfften Leser: Immer wieder werden alle Sicherheiten aufgehoben, stellt sich das, was man herausgefunden zu haben meint, als falsch heraus, oder doch nicht?”
(Text: Verlag Klaus Wagenbach)

Julia Deck, Viviane Élisabeth Fauville. Roman. Aus dem Französischen von Anne Weber. 144 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2013. 16,90 Euro

Das E-Book kostet 11,99 Euro.

Viviane Élisabeth Fauville ist eines der zehn besten Bücher des Jahres 2013 aus unabhängigen Verlagen, s. die vorjährige Hotlist.

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2 Kommentare zu “Romane aus Frankreich (1) Julia Deck, Viviane Élisabeth Fauville

  1. Pingback: Romane aus Frankreich (5) Victor Serge, Schwarze Wasser | Der Hotlistblog

  2. Pingback: Romane aus Frankreich (7) Shumona Sinha, Erschlagt die Armen! | Der Hotlistblog

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