Home

Im Mittelpunkt des heutigen (und morgigen) Eintrags Bücher rund um das Lyrikkollektiv G13, das sich hier in eigenen Worten vorstellt:

„G13 ist ein Berliner Lyrikkollektiv, das 2009 ins Leben gerufen wurde. Die Mitglieder, geboren zwischen ’80 und ’90, präsentieren und diskutieren in regelmäßigen Treffen neue Gedichte, veranstalten gemeinsam Lesungen sowie Workshops zur Förderung junger Schreibender. Die von G13 alle zwei Wochen ausgerichteten Lyrikabende stehen allen Interessierten offen. […]

Die Gruppe verfolgt ausdrücklich nicht die Absicht, eine einheitliche Poetik zu entwickeln. Es geht stattdessen darum, verschiedene Ansätze und Haltungen des Schreibens zusammenzubringen und in einen dauerhaften Dialog zu verwickeln. Wo wir können, möchten wir den Tendenzen zu Konkurrenz und Vereinzelung auf dem Literaturmarkt entgegenwirken und sind der Überzeugung, dass kollektive Formen des solidarisch-kritischen Austauschs sich positiv auf das Schreiben auswirken. […]

Erste Bücher

Nach und nach erscheinen erste (Buch-)Veröffentlichungen des Kollektivs – vom tatsächlichen Kollektiv (so bei luxbooks und SuKuLTuR), und auch von Mitgliedern: Einzelsterne vor kollektiver Hintergrundstrahlung (z. B. bei kookbooks).
Im folgenden eine Auswahl.

Neu im Herbst 2014 das Debüt von Linus Westheuser, oh schwerkraft.
Das bildschöne Cover (es ist wirklich ein Bild, genauer eine Arbeit auf Papier) stammt von Charlotte Warsen.
Es gilt eben auch im 11. Jahr von kookbooks immer noch, was Denis Scheck sagte: „nicht nur gute, sondern auch schöne Bücher in so liebevoll zeitgemäßer Ästhetik, dass man sie jederzeit auch einfach als Kunstobjekte verschenken kann”. (Druckfrisch, ARD)
An erster Stelle sollte aber immer die Würdigung des Inhalts stehen, klar.

Westheuser, SchwerkraftLinus Westheuser, oh schwerkraft

„Es geht mir mit den Gedichten nicht um die Wirklichkeit an sich, noch sollen sie nur in einem Hirn oder einem Text stattfinden. Sie nehmen ihren Ausgang von den Teilen der Wirklichkeit, die zu schnell ihre Gestalten wechseln, die mir, das heißt uns, zu nahe stehen, als dass sie eine begriffliche Form annehmen könnten – oder wir darüber sprechen wollten.
Ein Vogel im Flug: Ich versuche ihm beizukommen, indem ich seine reale Bewegung durch eine Bewegung des Textes ersetze. Ich muss das nicht tun. Es bleibt bloß jenseits von Erkenntnis und Handeln noch Sprache übrig. Das Flügelflattern wird als Wort synchron, im Satz beginnt es wieder zu flattern (wir sagen: Oh guck mal). Würde man Flattern und ‚Flattern‘ gegeneinander ausspielen, wäre das Spiel vorbei.“ – Linus Westheuser

ich bin verliebt in die großen vögel

besonders wenn es warm ist in der nacht gehen sie ein
und aus bei mir ich liege mit geschlossenen augen
an ihren krallen ich saufe die architektur
was bin ich geworden dass ich hier bin ohne
stöße in der luft und verliebt?

jede wand ist ein schirm für bilder in meinem park
steht ein vergoldeter hirsch auf kunstrasen sein fell ist bedeckt
mit der scheiße der vögel was bin ich geworden?
meine fühler gehen ins erdreich ich versuche nur betrunken
mich gerade zu denken ich suche das stampfen im boden

ich liege in meinem bett ein schirm sind die wände
ich schreibe F U C K an jede einzelne in der stadt fällt
der schnee dann die streu dann räumen sie den schnee dann
saugen sie die streu die straßen sind leer und warm und überall
kreisen die vögel sie nisten in haufen von trockenen
krusten an den häusern es geht ein wind so sanft und böse
dass einem die gedanken schlingern

was bin ich geworden?
ich will mich gerade denken aber es wuchert mir überm kopf
die sonne gibt sich hin in quadraten aus obst die flecken
kleben in der ganzen stadt ich will sie lieben die stadt aber
ich liebe die großen vögel und wie es wuchert aus den häusern
das licht ist eine kruste auf den leuten im bus und ich liege
im bett und ich warte auf den tag ich warte auf die nacht

ich halte mein fenster weit offen an allen tagen
denn ich bin verliebt in die großen vögel
immer nachts sind sie bei mir

Linus Westheuser, oh schwerkraft. Gedichte. 80 Seiten, mit einer Coverzeichnung von Charlotte Warsen, Broschur mit Umschlag-Poster, gestaltet von Andreas Töpfer. kookbooks, Berlin 2014. 19,90 Euro (= Reihe Lyrik, Band 37)

Fortsetzung folgt

Advertisements

2 Kommentare zu “Lyrik aus den Reihen des Kollektivs G13

  1. Pingback: Rike Scheffler, der rest ist resonanz | Der Hotlistblog

  2. Pingback: Lea Schneider, Invasion Rückwärts | Der Hotlistblog

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.