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Der Hotlistblog sieht sich seit seinem Bestehen der unlösbaren Aufgabe gegenüber, mit einer lächerlichen Personalstärke von erst einem, dann zweien, dann drei Beiträgern, auf Zigtausende hervorragender Veröffentlichungen unabhängiger Verlage zu reagieren und, nach Kräften, wenigstens eine kleinste Auswahl daraus ins Licht zu rücken (das freilich, dem elektronischen Medium entsprechend, kein ruhiges, konzentriertes, sondern ein flackerndes, flimmerndes ist): Wo anfangen?

Aus diesem Grunde heute (und morgen) eine verwegene Zusammenstellung von Büchern und DVDs: Leopold von Sacher-Masoch, Walther Ruttmann und Friedo Lampe. Die Kombination ist willkürlich – sozusagen eine Verzweiflungstat, wie es jeder Beitrag sein könnte.
Können die Bücher nicht für sich selbst sprechen?
Andererseits, stumm zu sein kann nicht Aufgabe eines Blogs sein, vor allem nicht eines Blogs, der Verstärker sein will für das Leise … Darum geht’s hier immer weiter, verdrossen / unverdrossen, in stockender Regelmäßigkeit, von Zweifeln benagt, wissend um die Vergeblichkeit und Armseligkeit all dieses Tuns und Lassens, was nüchtern hält (wobei ich hier nur für mich spreche), ahnend – mindestens! –, dass das Internet nicht zuletzt ein buntes, aufgekratztes, aufgeplustertes Nichts ist und alle Bemühung, die diese – diese – Bastelei voranbringt, nichtig.

Dies schicke ich nicht deswegen voraus, um Trost zu erheischen – ich würde ihn sowieso ablehnen, weil es so, wie beschrieben, ja nun einmal ist. Ich möchte nur auf die grundsätzlichen Schwierigkeiten eines Buchblogs hinweisen, auf die Verrücktheit, in einem explodierenden, schrillenden Medium, das sich in allem der Idee des Lesens, der Sammlung und Versenkung, widersetzt, für das Lesen zu werben. Aber der Buchmarkt selbst ist schon dieses Medium …

In diesem Sinne:
„ All of old. Nothing else ever. Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.” / „Alles seit je. Nie was andres. Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.”
(Samuel Beckett, Worstward Ho / Aufs Schlimmste zu, Ü: Erika Tophoven-Schöningh) / mr

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Leopold von Sacher-Masoch, Die Toten sind unersättlich

„Leopold Ritter von Sacher-Masoch ist am 27. Januar 1836 in Lemberg geboren, er starb am 9. März 1895 in Lindheim bei Frankfurt/Main. Österreichischer Schriftsteller, der vorwiegend seine galizisch-jüdische Heimat in Erzählungen porträtiert und atmosphärisch beschreibt.”

„[…] die verdienstvolle Achilla Presse setzt Maßstäbe, die das E-Book auch in hundert Jahren nicht wird einholen können. Die großformatig publizierte Erzählung Die Toten sind unersättlich von Sacher-Masoch ist, wie üblich bei der ‚mutabor’-Reihe, mit atmosphärischen, farbigen Holzschnitten illustriert. […]”
Frankfurter Allgemeine Zeitung
(Text / zitiert nach: Achilla Presse)

Mumien · Monstren · Mutationen verheißt diese besagte Reihe „mutabor. Phantastische Bücher”, in der u. a. Erzählungen von Ladislaus Tarnowski, Karl von Schlözer, Franz Kreidemann, Leopold Günther-Schwerin und Hans Georg Wegener erschienen sind. Wer sich für Phantastik und für vergessene Autoren begeistert, kann hier auf Entdeckungsreise gehen.

Eine Leseprobe:

„An dem Ufer der Teiche und Flüsse, im schwarzen Dickicht, wiegt sich die Nußalka auf schwankenden Zweigen und singt und bindet aus ihrem Haare goldene Fesseln, mit denen sie den Be­thör­ten, der ihr naht, gefangen nimmt und eine goldene Schlinge in der sie ihn erwürgt; in den von grünem Gitterwerk verschleierten Höhlen des Ge­birges wohnen die muthwilligen und verliebten Majki, welche hoch oben auf grünen Wie­sen ihre Zau­bergärten mit goldenen Zäunen einschließen, Brücken aus Perlen über die rauschenden Wasser bauen, und auf blumigen Wald­blößen tanzen, sie entführen Jünglinge, die ihnen gefallen und bezaubern sie mit ihren duftigen bekränzten Locken, ihren zarten Gliedern, aber in ihrem schönen Antlitz, in ihren blitzenden Augen wohnt keine Seele. Wie Wölfe in Rudeln durchstreifen die wilden Weiber, die das Volk auch die Göttinnen nennt, Wälder und Berge, ein entsetzliches Ge­schlecht, das die Kinder der Menschen entführt und ihre häßlichen Wechselbälge in ihrer Wiege zurückläßt, das die alten Männer zu Tode kitzelt und die jungen nach der Brautnacht grausam erdroßelt. Unter dem Volke wohnen auch die Wissenden, welche die geheimen Kräfte der Natur beherrschen, welche das Pestkraut kennen und die giftigen Schlan­genbisse heilen …”

Leopold von Sacher-Masoch, Die Toten sind unersättlich. Illustriert von Heike Küster nach farbigen Holzschnitten. 40 Seiten, Hardcover. 27,1 x 16,4 cm. Achilla Presse Verlagsbuchhandlung, Butjadingen 2008. 15,00 Euro (= mutabor, Bd. 7)

Weitere Bücher von Sacher-Masoch sind unter anderem im belleville Verlag erschienen, zum Beispiel diese zwei Bände mit autobiographischer Prosa.

Sacher-Masoch, SouvenirsSouvenirs

„‚Mit einer solchen Offenheit und Ehrlichkeit werde ich meinen Lesern nun von dem berichten, was ich gesehen und erlebt habe. Ich werde von meinen Leiden, von meinen Kämpfen und … von meinen Fehlern sprechen, denn dieser Bericht soll wie ein Bekenntnis sein.’
Leopold von Sacher-Masoch

Deutsche Erstausgabe verstreut erschienener autobiographischer Texte Sacher-Masochs aus den Jahren 1879 bis 1887. Darunter, erstmals in deutscher Sprache, die bis dahin nur in Frankreich in der Zeitschrift Le Gaulois publizierte Artikelserie ‚Souvenirs’: über seine Kindheit, seine Verwandten, seine Liebe zur Natur, seine literarischen Einflüsse und vieles mehr.

Mit den Erinnerungen seiner zweiten Frau Hulda Edle von Sacher-Masoch
und einem Nachwort.”
(Text: belleville Verlag)

Leopold von Sacher-Masoch, Souvenirs. Aus dem Französischen von Susanne Farin. 103 Seiten, broschiert. 3 Abbildungen. Deutsche Erstausgabe. belleville Verlag, München 1985. 9,00 Euro (= Splitter, Bd. 1)

Sacher-Masoch, BruchstückeBruchstücke

„Mit einer ‚Rakete, die jäh und blendend aufsteigt, einen langen Feuerstreif durch das nächtliche Dunkel zieht, in der Höhe vielfarbige Leuchtkugeln auswirft und dann erlischt’, hat Karl von Thaler Leopold von Sacher-Masochs (1836–1895) literarisches Wirken verglichen, denn er habe die in ihn gesetzten Hoffnungen ‚traurig betrogen’.

Insbesondere warfen ihm seine Kritiker die ‚Szenen knutiger Wollust’ vor, die er in seiner heute berühmtesten Novelle Venus im Pelz (1869) und in seinem Roman Die geschiedene Frau (1870) beschrieben hatte. Sie haben seinen literarischen und auch persönlichen Ruf auf das Nachhaltigste beeinflußt. Richard von Krafft-Ebing nämlich nahm 1890 die in ihnen dargestellten, Sacher-Masochs eigene Liebesbeziehungen aufgreifenden Abhängigkeitsverhältnisse von ‚übersinnlichen’ Männern zu dominanten Frauen zum Anlaß, daraus den Begriff Masochismus abzuleiten.

Deutsche Erstausgabe der 1888 bis 1889 in der französischen Zeitschrift Revue bleue erschienenen, überaus aufschlussreichen autobiographischen Aufzeichnungen nebst einer Sammlung verstreuter Texte über das literarische Frankreich und den Naturalismus sowie über russische und jüdische Sekten.
(Text: belleville Verlag)

Leopold von Sacher-Masoch, Bruchstücke. Autobiographische Prosa 2. Herausgegeben von Michael Farin und Mechthild Saternus. Aus dem Französischen von Michael von Killisch-Horn. 241 Seiten, broschiert.
17 Abbildungen. belleville Verlag, München 2009. 20,00 Euro (= Splitter, Bd. 6)

Fortsetzung folgt

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