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Plath, Panic1Vor einiger Zeit las ich Sonntag bei den Mintons und Das Wunschkästchen, zwei von drei in der Frankfurter Verlagsanstalt erschienenen Bändchen mit den beeindruckenden Erzählungen von Sylvia Plath (es war eine ältere Ausgabe, aus der Reihe „Diwan”).

Den dritten Band habe ich nicht gelesen. Die Bibliothek hatte ihn nicht auf Lager, und es war mir nicht eilig damit, ihn anderweitig zu entleihen.
Bücher laufen nicht weg. Bücher warten auch. / mr

Jedenfalls, „Der Schatten” und „Sweety Pie und die Dachrinnenmänner” müssen im dritten Band enthalten gewesen sein.
Beide Erzählungen sind nachzulesen in diesem schön gestalteten Buch aus dem Mannheimer kunstanstifter verlag, der sich – ähnlich wie die edition Büchergilde – ganz auf illustrierte Bücher verlegt hat.

Johnny Panic und die Bibel der Träume

„Das Werk enthält vier Erzählungen der Autorin Sylvia Plath:
‚Der Schatten’, ‚Unter den Hummeln’, ‚Sweety Pie und die Dachrinnenmänner’ sowie ‚Johnny Panic und die Bibel der Träume’.

Die 19 Holzschnitt-Illustrationen stammen von der Illustratorin Nicole Riegert. Das Immerwiederkehren einzelner Elemente (wie Personen, Orte oder Situationen) in den autobiografischen Texten von Plath wird durch die Stempeltechnik aufgegriffen.

Nicole Riegert spielt dabei mit Wiederholungen und (alb-)traumhaften Zusammenhängen. Der Text ist in der robusten amerikanischen Zeitungsschrift aus den fünfziger Jahren gesetzt und spiegelt den Zeitgeist der Erzählungen von Sylvia Plath wider.”
(Text: kunstanstifter verlag)

Bemerkenswert an dieser Beschreibung die Formulierung „Autorin Sylvia Plath”.
Das klingt gerade so, als hätte sie in Hildesheim oder am DLL studiert und ebenso gut auch Texterin oder Moderatorin werden können.
(Man verzeihe mir die Polemik. Übrigens war S. P. selbst auf einer Schreibschule.)
Gewiss, von den Schreibstätten kommen Leute, die schreiben können, und zwar auf die ihnen eigene Weise – und nicht im immer wieder unterstellten Schreibschulen-Stil (wie wäre der definiert?). Ohne sie sähe die Literaturlandschaft ärmer aus.
Dennoch, scheint mir, fehlt den Autoren zuweilen die Notwendigkeit des Schreibens, eine von der Person beglaubigte Dringlichkeit, was noch die handwerklich besten Texte dann auch irgendwie egal macht.
Da wäre es besser, es wie Bobi Bazlen zu halten und auf den Schriftstellerberuf nach außen hin zu verzichten.

Blick ins Buch

„Autorin” ist für Sylvia Plath also viel zu vorsichtig gesagt; auch „Schriftstellerin”, womit sich Anspruch, Stolz und Selbstbewusstsein verbinden, greift zu kurz. Sylvia Plath war eine Dichterin, ein Genie, eine ‚Verrückte‘, rasend begabt, ein Meteor.

Ein weiteres Buch von Sylvia Plath, das dank der Energie und Willenskraft der Verleger Christian Lux und Annette Kühn und ihrer Unterstützer („Free Sylvia Plath”) nun erstmals in einer zweisprachigen deutschen Ausgabe, in der Übersetzung von Judith Zander, lieferbar ist:

Plath, Übers Wasser

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Sylvia Plath, Übers Wasser / Crossing the Water

„Sylvia Plaths Crossing the Water ist eine großartige Entdeckung! Es versammelt eine Serie von Gedichten aus dem Jahren 1961 und 1962 und markiert den Beginn einer rauschhaften Schaffensphase der jungen Schriftstellerin – an deren Ende jene weltberühmten Gedichte entstanden, die unter dem Titel Ariel posthum veröffentlicht werden und Plaths Ruhm als eine der wichtigsten amerikanischen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts begründen sollten. Über vierzig Jahre nach der Erstveröffentlichung der von Ted Hughes zusammengestellten Gedichte, wird mit der deutschen Ausgabe von Crossing the Water nun endlich eine Lücke in der deutschsprachigen Publikation der Werke Sylvia Plaths geschlossen.”
(Text: luxbooks)

„Auf dem schmalen Grat zwischen Euphorie und tödlicher Traurigkeit wandelnd, gelangen Sylvia Plath vehemente Weltentwürfe aus Spiegelbildern, Rätseln und Träumen.”
Dorothea von Törne in Die Welt, 11.01.2014

Zu diesem Buch und weiteren Plath-Veröffentlichungen siehe auch die Kritik „Drei Mal Sylvia Plath. Wer sich vorwagt, lebt gefährlich wie die Kolumbus-Krabbe” von Florian Balke, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2013

Bibliographische Angaben

Sylvia Plath, Johnny Panic und die Bibel der Träume. [4] Erzählungen. [Keine Übersetzerangabe]. Mit Illustrationen von Nicole Riegert. 132 Seiten, gebunden. 24,5 x 18,5 cm. kunstanstifter verlag, Mannheim 2011. 17,80 Euro

Sylvia Plath, Über das Wasser / Crossing the Water. Nachgelassene Gedichte. Aus dem Englischen (USA) von Judith Zander. 140 Seiten, Englische Broschur. 18 x 14,8 cm. luxbooks, Wiesbaden 2013. 22,80 Euro (= luxbooks americana)

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