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„Weltempfänger” (Sommer 2014) im Hotlistblog:
1. Folge (8.6.2014)
2. Folge (10.6.2014)

Der Vollständigkeit halber hier die drei weiteren Titel aus der Sommerausgabe der litprom-Bestenliste „Weltempfänger”, auch wenn die Bücher nicht aus Independent-Verlagen kommen (Hanser ist unabhängig, hat aber eine eigene Verlagsgruppe gebildet, zu der Hanser Berlin, Hanser Kinderbuch, Hanser Fachbuch, Nagel & Kimche, Deuticke, Zsolnay, Sanssouci, Fachbuchverlag Leipzig u. a. gehören, und liegt mit einem Jahresumsatz von 50 Millionen Euro um 45 Millionen Euro über der Grenze, die die Kurt Wolff Stiftung als Maximum für eine Mitgliedschaft festlegt, s. hier).

Die Diskussion, was ein Independent-Verlag ist und eine genaue begriffliche Definition stehen noch aus. Vorerst genügt es vielleicht im Kopf zu behalten, dass die Bezeichnung in Anlehnung an unabhängige Plattenlabels, eben Indie-Labels, entstanden ist, in Abgrenzung zu den Major Labels.
Der Wikipedia-Artikel, wenngleich veraltet, erwähnt ganz richtig, dass Imprints keine unabhängigen Verlage sein können. Bei Verlagen wie METROLIT könnte man schon mal durcheinanderkommen. / mr

Najem Wali, Bagdad Marlboro

„Ein Jahr nach dem Einmarsch der Amerikaner in den Irak wird der Erzähler in Bagdad von einem Unbekannten kontaktiert. Der ehemalige Leutnant der US-Armee war während des zweiten Golfkriegs an der Tötung wehrloser irakischer Soldaten beteiligt. Nun möchte er dem Erzähler ein Heft übergeben, in dem die Träume und Wünsche jener Soldaten verzeichnet sind – er will Buße tun und die Namen der Opfer vor dem Vergessen retten. In seinem neuen großen Roman über Freundschaft, Verrat und Schuld zeigt Najem Wali, wie leicht und blind sich die Geschichte wiederholt – und wie man mit Literatur dagegen ankämpfen kann.”
(Text: Hanser Verlag)

„Ein Epos von Rang – Literatur comme il faut: Najem Wali verzahnt avancierte Ästhetik und Action, Geschichte und Reflexion, Aktuelles und Historisches, Poetisches und Grimmiges. Cool und schmerzhaft realitätstüchtig und nicht an einen bestimmten Realismus gekettet. Zwischen Bagdad und Washington funktioniert letztendlich noch die Poesie. Utopisch vielleicht, aber immerhin.”
Thomas Wörtche

Hajem Wali, Bagdad Marlboro. Roman. Aus dem Arabischen (Irak/Deutschland) von Hartmut Fähndrich. 352 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag. Carl Hanser Verlag, München 2014. 21,90 Euro

Chimamanda Ngozi Adichie, Americanah

weltempfängerb„Die große Liebe von Ifemelu und Obinze beginnt im Nigeria der neunziger Jahre. Dann trennen sich ihre Wege: Während die selbstbewusste Ifemelu in Princeton studiert, strandet Obinze als illegaler Einwanderer in London. Nach Jahren kehrt Ifemelu als bekannte Bloggerin, von Heimweh getrieben, in die brodelnde Metropole Lagos zurück, wo Obinze mittlerweile mit seiner Frau und Tochter lebt. Sie treffen sich wieder und stehen plötzlich vor einer Entscheidung, die ihr Leben auf den Kopf stellt.

Adichie schreibt bewundernswert einfach, grenzenlos empathisch und mit einem scharfen Blick auf die Gesellschaft. Ihr gelingt ein eindringlicher Roman, der Menschlichkeit und Identität eine neue Bedeutung gibt.”
(Text: S. Fischer Verlag)

„Die erfolgreiche Bloggerin Ifemelu kehrt nach 13 Jahren in den USA nach Nigeria, ihre Heimat, zurück. Dort trifft sie ihre große Jugendliebe wieder. Und sie muss herausfinden, wohin sie wirklich gehört. Ein Roman von wunderbarer Leichtigkeit über große Themen: über Fremdheit – auch in der Heimat; über Rassismus – auch den innerafrikanischen; über die Frage der Hautfarbe und die sozialen Verwerfungen des gegenwärtigen Nigerias.”
Claudia Kramatschek

Chimamanda Ngozi Adichie, Americanah. Roman. Aus dem Englischen (Nigeria/USA) von Anette Grube. 608 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag.
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2014. 24,99 Euro

Nadeem Aslam, Der Garten des Blinden

weltempfängera„Pakistan in den Monaten nach dem 11. September: Jeo ist mit Naheed, der großen Liebe seines Lebens, verheiratet, die auch sein Adoptivbruder Mikal begehrt. Als Jeo sich auf den Weg macht, in Afghanistan verwundeten Zivilisten zu helfen, begleitet Mikal ihn, doch ein Komplott führt die beiden unversehens zwischen die Fronten, Jeo stirbt, und Mikal gerät in Gefangenschaft.

Auch in das Leben der Familie zu Hause bricht der Krieg ein. Ihr Vater Rohan, gläubiger Muslim und Gründer einer liberalen Schule, sieht sein Lebenswerk durch Fundamentalisten bedroht, und Naheed tut alles, um die mühsam erkämpfte Freiheit der Frauen nicht wieder zu verlieren. Sie trauert um Jeo, gibt aber die Hoffnung nicht auf, dass Mikal eines Tages zurückkehrt.

Ebenso schonungslos wie poetisch beschreibt der vielfach ausgezeichnete Autor Nadeem Aslam in Der Garten des Blinden eine sehr gegenwärtige, dabei zeitlose Welt um Liebe und Krieg, Verlust und Verrat und um die tiefsten Beweggründe menschlichen Handelns.”
(Text: DVA)

„Oktober 2001: Zwei Brüder aus Pakistan brechen heimlich auf, um in Afghanistan gegen die Amerikaner zu kämpfen. Aslam fragt: Wie kann man im Krieg leben und dennoch seinen Prinzipien treu bleiben? Und was macht der Krieg mit den Menschen jener Länder, in die der Krieg transportiert wird? Einer der besten Romane über die Zeit nach 9/11.”
Claudia Kramatschek

Nadeem Aslam, Der Garten des Blinden. Roman. Aus dem Englischen (Pakistan/Großbritannien) von Bernhard Robben. 432 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag. DVA, München 2014. 22,99 Euro

Im Hotlistblog geht es – was meinen Part betrifft – in Kürze weiter mit einer kleinen Serie zum Themenbereich Schlaf, Müdigkeit, Faulheit, Nichtarbeit, Muße.

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