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Hawkes, Die Leimrute„Der renommierte L!MES Verlag, der 1945 gegründet wurde, gehört seit 2001 zur Verlagsgruppe Random House in München. Romane von deutschen und internationalen Bestsellerautoren machen den L!MES Verlag zu einer der ersten Adressen für Leser aus Leidenschaft.
Zu den großen Erfolgsautoren des Verlags zählen [es folgen sechs austauschbare Namen].”

Diese lachhaften Sätze stehen als sogenannte „Verlagsgeschichte” auf der Website des Randomhouse-Imprints, hier nachzulesen.

Wer einen authentischen Eindruck vom Rang des einstigen Limes Verlags in Wiesbaden bekommen möchte, kann beispielsweise die Website eines heutigen, auch nicht unbedeutenden, Wiesbadener Verlags ansteuern, nämlich luxbooks.
Es trifft sich gut, dass im Begleittext zu einer luxbooks-Veröffentlichung dieses Frühjahrs das Verlegerpaar Annette Kühn und Christian Lux selbst die Parallelen zwischen ihrem und dem alten Limes Verlag aufzeigt:

John Hawkes, Die Leimrute


„Ein Pferderennen im englischen Aldington bietet den Hintergrund für einen literarischen Thriller von Weltrang. Das Ehepaar Michael und Maragret Banks wird von einem Freund in den scheinbar genialen Plan verwickelt, eines der Rennpferde beim Golden Bowl zu stehlen und unter falschem Namen wieder auf die Bahn zu schicken. Die Aktion schlägt katastrophal fehl, und die Banks finden sich unvermittelt im Konflikt mit einer professionellen Verbrecherbande und somit in einem fiebrigen, albtraumhaften Szenario, das auf ein grausames Ende zusteuert.

Thomas Pynchon hält den Roman für einen der wichtigsten Wegbereiter der Postmoderne. Zu Hawkes‘ Fürsprechern gehören außerdem Flannery O’Connor, Saul Bellow, Anthony Burgess, Donald Barthelme und William H. Gass.

Bereits 1964 erschien im Limes Verlag Wiesbaden (zu dessen Autoren Gottfried Benn und Alan Ginsberg gehörten) John Hawkes The Lime Twig in der Übersetzung von Grete Weil. Das fünfzigjährige Publikations-Jubiläum wollen wir dazu nutzen, auf die durch uns in Wiesbaden fortgeführte Herausgabe von US-Literatur und Gegenwartslyrik hinzuweisen.”
(Text: luxbooks)

John Hawkes (1925-1998) wuchs in Connecticut, Alaska und New York auf. Er meldete sich 1943 als Freiwilliger zum American Field Service und war unter anderem in Deutschland stationiert. 1947 nahm er sein Studium an der Harvard University wieder auf. Sein erster Roman The Cannibal erschien 1949. Zunächst mehrere Jahre Mitarbeiter der Harvard University Press, lehrte er später Englisch in Harvard und wurde Anfang der 60er Jahre Professor für Creative Writing an der Brown University. Mit seinem Roman The Lime Twig gelang ihm 1961 in den USA der Durchbruch. Seitdem zählt er zu den bedeutendsten Vertretern der amerikanischen Postmoderne. Er starb 1998 in Rhode Island, Providence.

Barthelme, KönigDies grässlich gelbe Buch sei bei der Gelegenheit – à propos Postmoderne – ebenfalls zur Lektüre empfohlen.
Donald Barthelme lässt in diesem gescheiten und einfallsreichen kurzen Roman König Artus und seine Ritter wieder aufleben, um gegen die Nazis zu kämpfen. Während Lord Haw-Haw per Rundfunk Gerüchte über Ginevras Affaire mit Lanzelot verbreitet und Ezra Pound zunehmend antisemitisch wird, bewahrt sich König Artus einige seiner edleren Gefühle. So ist er beispielsweise gegen die Bombardierung von Zivilisten. ‚Von uns wird erwartet, dass wir kämpfen, und von ihnen, dass sie dafür bezahlen.‘ Aber die Zeit der Ritterlichkeit ist vorbei, der Gral wurde zur Atombombe. Es ist ein schneidend witziges Buch, das den Verlust einer Zeit beklagt, die, wenn auch nicht golden, so doch weniger schmutzig als unsere war.” – The Sunday Times

Donald Barthelme, Der König


„Das Aufgebot der Tafelrunde von König Artus zur Bekämpfung der Nazis ist keineswegs nur ein Gag, den sich die Monthy Pythons hätten ausdenken können. Es ist die Projektion einer wenn nicht besseren, so doch anderen Zeit auf unsere. Konfrontiert mit modernster Militärtechnologie, machen mittelalterliche Ritter zwar eine komische und ohnmächtige Figur, ihr Hauen und Stechen erlaubt aber, Kampfpausen einzuschalten, um bei einem Stückchen Pfeffer-Brie zu philosophieren.
‚Ich verbringe mein ganzes Leben damit‘, sagt Don Barthelmes Lanzelot, ‚auf etwas draufzuhauen. Ist das die beste Lebensweise?‘
Letztlich geht es um die Frage, was nicht einfach nur politisch opportun ist, sondern moralisch richtig. Nachdem König Artus in den Besitz der Formel zum Bau der Atombombe gelangt ist, entscheidet er sich daher dagegen, den Krieg durch sie zu entscheiden – was ihn nicht vor Rassismen schützt.”
(Text: Urs Engeler Editor)

Das dialogreiche Buch ist rasant erzählt und schnell gelesen – und bleibt in Erinnerung.

Bibliographische Angaben
John Hawkes, Die Leimrute. Roman. Aus dem Englischen (USA) von Grete Weil. 200 Seiten, Englische Broschur. luxbooks, Wiesbaden 2014. 19,80 Euro – erscheint in Kürze

Donald Barthelme, Der König. Roman. Aus dem Englischen (USA) von Maximilian Schäfer. 160 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag. 18,5 x 12 cm. Urs Engeler Editor, Basel/Weil am Rhein und Wien 2006. 17,00 Euro

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Ein Kommentar zu “John Hawkes, Die Leimrute und Donald Barthelme, Der König

  1. “Die Leimrute” macht mich neugierig. Es reizt mich zu sehen, wie John Hawkes im Unterschied zu Dick Francis das Rennsportmilieu schildert, und der Plot verspricht spannend zu sein. Aber Wegbereiter der Postmoderne ….. hm … Der Einband ist seelenlos und kalt, wirkt computergeneriert. Hat das einen Grund? (Da zieh ich das “grässlich gelbe” vor, aber beide Einbände sind schirch, inklusive der serifenlosen Schrift – ich weiss nicht, was die Leute daran finden). Ich hoffe, die Prosa unterscheidet sich davon. Grete Weil – verlockt mich auch, sie zu entdecken.

    Was immer man zu Großkonzernen denken mag, scheint Random House doch noch von Inhalten, von Bücherschreibern und Lesern dirigiert zu werden statt von Profit. Aber vielleicht ist das ein sentimentaler Wunsch. Schön jedenfalls, dass Lux auf eigenen Füßen steht und für uns englischsprachige Schätze hebt. Margarete, Berlin

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