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Dass Verleger Bücher schreiben und Schriftsteller Bücher verlegen, davon wurde schon gehört. Viele sind es nicht, entdeckt werden aber immer wieder welche. So geschehen beim 2005 von Bernd Schuchter gegründeten Limbus Verlag mit Sitz in Innsbruck.

Die Verlagslinie ist inhaltlich und ästhetisch auffällig und hebt sich von anderen Literaturverlagen ab. Man neigt zum Diffizilen, zum Engagierten. Grundsätzlich wird durch die Brille der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur auf die österreichischen Autorinnen und Autoren fokussiert. „Themenschwerpunkte sind Nationalsozialismus, schwieriges Erwachsenwerden, Herkommens- und Milieugeschichten, Frauenleben und Emanzipations- bzw. Entwicklungsgeschichten. Ergänzt wird das Programm durch lesbare Essays, etwa zu den Themen Kulturpolitik oder Geistesgeschichte.” Die meisten von ihnen werden der Titelreihe Zeitgenossen zugeschlagen.
Weil nicht nur die neu erschienenen Bücher die guten Bücher sind, setzt der Limbus Verlag inzwischen auf das gute Taschenbuch und die Verfügbarkeit seiner wichtigsten Publikationen. In einheitlichem Dekor sind derzeit sechs Titel lieferbar, darunter zwei Romane (2014) von Walter Klier (Grüne Zeiten, Leutnant Pepi zieht in den Krieg). Diese sind freilich nicht als E-Books erhältlich.

Unter dem feschen Label Limbus Preziosen müssen sich Kostbarkeiten verbergen. Die Erzählung Jene Dinge von Bernd Schuchter hat sich zu einer solchen gemausert. Sie erschien bei Limbus bereits 2008 und jetzt druckfrisch mit dem ersten Mailüftchen in veränderter Neuauflage. Der Verleger verlegt sich kurzerhand selbst, so bleibt man bei sich. Üblich ist es nicht. So leuchten die Preziosen unter den vielversprechenden Frühjahrsbüchern aus der Verlagsvorschau heraus. Die gedruckte Version ist mit aller Sorgfalt und informativ gestaltet und wartet zu Beginn mit einem Literaturrätsel auf. Die Literaturfans dürfen einfach nicht abhandenkommen.

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Bernd Schuchter (© Fotowerk Aichner)

Schuchter_JeneDinge_DownVom wahren Leben im falschen – Bernd Schuchters Erzählung Jene Dinge

„Jeder ist Kind von jemandem und hat ein je eigenes Herkommen. Was tun, wenn man sich durch seine Herkunft eingeschränkt fühlt? Und was tun, wenn man sich durch die Entwicklung zum eigenen Wollen und Denken immer weiter von seiner Vergangenheit entfernt? Was, wenn die geschenkten Möglichkeiten zur Bürde werden? Man macht die Zumutung zur Annahme.

Jene Dinge erzählt vom Problem der Milieuflucht, denn wie Adorno meint: „Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen. Es gibt kein richtiges Leben im falschen.““ (Text: Limbus Verlag 2014)

  • Bernd Schuchter: Jene Dinge. Erzählung. Innsbruck: Limbus Verlag 2014. 112 Seiten. 10 Euro
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