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Literarische Neuerscheinungen aus dem Müry Salzmann Verlag

Aushängeschilder: Literarische Debüts gelten als Prestigeobjekte eines Verlags. Zeigen seine Entdeckerfreudigkeit und seinen Wagemut, kurz seinen Riecher für zeitgenössische literarische Qualität. Auch der Salzburger Verlag Müry Salzmann setzt im Frühjahr 2014 auf Erstlingswerke und veröffentlicht gleich drei Prosatitel junger deutschsprachiger Schriftstellerinnen. Im Vorfeld heißt es, „Namen, die man sich merken wird“. Bitte merken: Laura Freudenthaler, Elke Laznia, Nora Wicke. Der Müry Salzmann Verlag wurde 2009 gegründet und dreht sich in seinem breitgefächerten Programm nicht nur, aber viel um Salzburg: Architektur, Kunst, Theater, Geschichte, Kultur und Lebenskunst.

Laura Freudenthaler.docxLaura Freudenthaler – Der Schädel von Madelaine

„Madeleine, eine junge Wienerin in Paris, lässt sich vom Franzosen Franz willig als Inbild einer reizenden Pariserin adoptieren, mit Köpfchen und Hütchen und kleinem Akzent. Wie zu einem Musette-Walzer tanzen und wirbeln die zwei durch die Seinestadt. Bis im Schädel von Madeleine das zugeschriebene Bild den Aufstand probt.

Von jäher Fremdheit zwischen den Geschlechtern, vom Ausbruch aus männlichen Zuschreibungen handeln auch die anderen Paargeschichten der jungen Österreicherin Laura Freudenthaler. Wie die von Manja, einer Videokünstlerin, die sich von einem amerikanischen Gastprofessor aus einer Bar abschleppen lässt. Oder wie die von der deutschen Zeichnerin, die zu ihrem Geliebten nach Italien gezogen ist; als sein Besitzanspruch sie zur Gefangenen macht, wehrt sie sich durch die allmähliche Verwandlung in einen Kampfhund.

Laura Freudenthaler schreibt eine dichte, filmische Prosa voller Metamorphosen. Mit schmerzhafter Genauigkeit spielt Der Schädel von Madeleine die Möglichkeit und Unmöglichkeit des Paarseins durch. Ein starkes, eigensinniges Debüt.“ (Text: Müry Salzmann 2014)

Textauszug:

„Ich bin die wirbelnde Madeleine, die tanzende, ich habe ein anmutiges Köpfchen voller deutscher Wörter et pleine de mots français, die halten nie still, ni les uns ni les autres, deshalb muss ich plaudern. Wenn mein schöner Mund plaudert, kann ich die Wörter in einer Ordnung aneinanderfügen, während sie in meinem Schädel völlig ungeordnet durcheinanderfliegen.“ (aus: Freudenthaler, Der Schädel von Madelaine)

  •  Laura Freudenthaler: Der Schädel von Madeleine. Paargeschichten. Salzburg: Müry Salzmann Verlag 2014. Ca. 100 Seiten. Ca. 19 Euro. Erscheint im Februar 2014.

elkeElke Laznia – Kindheitswald

„Elke Laznias grandioses Romandebüt Kindheitswald unternimmt eine Reise in eine kaum verschlüsselte Gegend. Es geht um ein Elternhaus und den Vater, der die Familie früh verlassen hat. Elke Laznias Vatergeschichte ist ebenso archaisch wie gegenwärtig, sie ist der Fluchtpunkt in einem sprachlich höchst präzisen Roman, der eine Rückkehr und einen Aufbruch beschreibt. Von Gewalt und Befreiung wird in „Kindheitswald“ erzählt, mit insistierender Genauigkeit werden die Spuren der frühen Jahre gesucht. Sie finden sich in den Häusern und in den Gesichtern und Gesten der Menschen.

Elke Laznias Buch ist ein Entwicklungsroman auf kürzester Strecke. Für die Icherzählerin treten die Erfahrungen der Demütigung und der Gewalt hinter ein Aufbegehren zurück, das sich allmählich auch der Sprache bemächtigt. Dieser Literatur gewordene Kindheitswald ist wie die wirklichen Wälder auch. Er ist Trost und Erschrecken zugleich.“ (Text: Müry Salzmann 2014)

Textauszug:

„Ich werde die Bäume wieder erkennen, jeden Laub- und Nadelbaum, aber nicht mehr deren Farben. Werde durch diesen Kindheitswald gehen, und er wird nur diese Kälte haben und kein Rauschen und keine Zeit.“ (aus: Laznia, Kindheitswald)

  • Elke Laznia: Kindheitswald. Roman. Salzburg: Müry Salzmann Verlag 2014. Ca. 140 Seiten. Ca. 19 Euro. Erscheint im Februar.

noraNora Wicke – Vierstromland

„Save und Seine, Donau und Spree – wer Europas Städte und Landschaften auf den Flüssen bereist, der kann so viele Welten erleben, wie in Nora Wickes erstaunlichem Debütroman enthalten sind. Vierstromland heißt die Geschichte einer mit allen Wassern gewaschenen Familie. Eliza, die zarte und poetische Hauptfigur des Romans, will den Lebensspuren ihrer Mutter nachgehen, die früh aus ihrem Blick verschwunden ist. Außer ein paar Briefen ist von ihr nicht viel geblieben. Was sich nach und nach findet, sind verwickelte Verwandtschaftsverhältnisse, die quer über die Länder gespannt sind und die ihre eigenen Schauplätze haben.

Und so führt Vierstromland auf Pariser Boulevards und Berliner Brachen, in Bukarester Vororte und Belgrader Gässchen. Beständig wechseln Zeiten und Orte dieses lebensprallen Romans, während Nora Wicke bis an die kulturellen Quellen eines Kontinents geht. Vierstromland ist ein ironisches und zugleich elegisches Buch, ein Buch, dessen Sprache so klar ist wie Wasser.“ (Text: Müry Salzmann 2014)

Textauszug:

„Als Kind habe ich mir lange auf Karten angesehen, welche Ader woher kommt und an welcher Stelle ein Fluss mit einem anderen Fluss zusammenfließt, welcher mündet, die Neiße in die Oder und nicht umgekehrt, welcher hinübergeht und welcher seinen Namen aufgibt, um zusammen zu sein und zusammen weiterzukommen, alle ins Meer hinein und das Meer trotzdem nicht überläuft.“ (aus: Wicke, Vierstromland)

  • Nora Wicke: Vierstromland. Roman. Salzburg: Müry Salzmann Verlag 2014. Ca. 240 Seiten. Ca. 24 Euro. Erscheint im Februar.
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