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Murakami, Das Casting

Das Cover kennt man. Der Roman Das Casting von Ryu Murakami fand sich auf der Hotlist 2013 der zehn besten Bücher unabhängiger Verlage. Den Hauptpreis bekam es nicht, brachte aber den Septime Verlag ins Rampenlicht der Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse. Nach der Messe waren alle Exemplare des gekürten Buches weg.

Haus der schönen Bücher

Es gibt Häuser und es gibt Bücher. Aber nur ein Haus der schönen Bücher. Mit diesem Attribut schmückt sich der in Wien ansässige Septime Verlag, der 2008 von Jürgen Schütz gegründet wurde. Und über das Schöne der Bücher wird zu reden sein. Das Gespräch findet jedoch nicht in jenem Haus statt, denn Schütz führt seinen Buchverlag vom Laptop aus, sondern im Raucherabteil eines Kaffeehauses. Bis heute, der Frühjahrsvorschau 2014, ist das Buchprogramm beachtlich angewachsen auf etwa zwanzig lieferbare Titel. Die lagerten im Burgenland im Haus der Mutter: Da haben wir es also doch, das Haus der schönen Bücher.

Perspektivenwechsel

Ganz am Anfang kam ihm vielleicht der Zufall zu Hilfe. Jürgen Schütz habe gute Literatur machen wollen und so wurde aus der ursprünglich geplanten Gründung eines Literaturmagazins kurzerhand die eines Verlags, der 2009 einen starken Auftakt wagt. Die literarischen Interessen des Mitte vierzigjährigen Septime Verlegers gehen weit über die Meere nach Lateinamerika. Julio Cortázar und andere dort beheimatete Fixsterne der Literatur habe er schon immer verehrt. Das Ergebnis: Schütz publiziert die erste Anthologie seiner Taschenbuchreihe Perspektivenwechsel mit einer turmhohen Auflage aus Anlass des 25. Todestags von Cortázar. Darin versammelt sind „zehn Erzählungen von zehn großen Autoren zum Thema Lateinamerika“. Der Grundgedanke der geplanten Serie ist kein neuer: „Große Literatur dem Leser in kleinen Häppchen präsentieren.“ Tatsächlich befinden sich in dem Band deutsche Erstübersetzungen der Phantomas-Novelle von Cortázar und der Erzählung Labyrinth des Chilenen Roberto Bolaño. Der habe als Geheimtipp gegolten, der Medienhype um den Roman 2666 sollte erst noch einsetzen. Trotzdem, der Erfolg bleibt aus. Ein Hardcover hätte er machen sollen, kein billiges Softcover, sagt er heute zu seiner ersten Verlagspanne. Weitere Fehler sollten folgen. Trotzdem sei die Arbeit an einer Anthologie eine der schönsten, wenngleich aufwendigsten und teuersten. In den Jahren 2010 und 2012 folgen zwei weitere Bände, der geplante vierte Band im Herbst 2013 wird auf Eis gelegt. Wenn nicht der Todestag, dann eben der hundertste Geburtstag: Der erste Reihenband mit dem Text von Cortázar wird 2014 erneut als zu entdeckender Schlager angepriesen.

Arreola_Jahrmarkt
Lateinamerikanische Trouvaillen

Literatur aus Lateinamerika prägt bis heute das Verlagsprofil von Septime. Die Autoren kommen aus Argentinien, Chile, Kuba und Mexiko. 2010 erscheinen Erzählungen des Exilkubaners Guillermo Cabrera Infante und der einzige Roman des Mexikaners Juan José Arreola, beide Anfang 2000 verstorben. Auch diese Bücher liegen in deutscher Erstübersetzung vor. Arreola stehe im lateinamerikanischen Kanon neben Cortázar, schwärmt Schütz bei der Beschreibung seines Romans Der Jahrmarkt, der seit seiner Erstpublikation 1963 nicht übersetzt worden sei. Zu weiteren Entdeckungen, von Septime ins Deutsche gebracht, gehört die preisgekrönte chilenische Schriftstellerin Nona Fernández, die 2014 ebendort mit ihrem zweiten Buch erscheint, sowie der erfolgreiche argentinische Autor Carlos Gamerro mit seinem Roman Das offene Geheimnis (2013). Zu diesem Zeitpunkt verfügt der Verlag bereits über einen beachtlichen  Pool an Damen und Herren Übersetzern.

Dem Verleger gelingen also lauter solche Trouvaillen, die zwar auf dem deutschen Markt und von den dortigen Medien wahrgenommen würden, kaum aber auf dem österreichischen, was sich auch an den Umsätzen zeige. Keine Stapel mit Septime-Büchern beim hiesigen Buchhandel, dessen Zurückhaltung für einen Kleinverlag das Wirtschaften nicht einfach macht. Schütz bleibt energiegeladen, nach dem Motto: jetzt erst recht. Er sehe Septime auch nicht als österreichischen, sondern als deutschsprachigen Verlag, setzt er einen drauf. Auf die Frage, wo er sich in der österreichischen Verlagsszene sehe, lautet die Antwort: „Unser Portfolio ist das beste in Österreich.“ Zu seinen Vorbildern zählten der Unionsverlag sowie die Verlage Liebeskind und Kunstmann. Nur Freunde hat er mit obigen Aussagen sicher nicht. /sw

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