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Pohl, SOLANUM NIGRUM ANTICHOCSolanum nigrum antichoc ist Kai Pohls jüngst erschienene Sammlung von Cut-ups und Gedichten betitelt. Der Band enthält 43 Texte aus dem Zeitraum von 2001 bis 2013. Ihr politischer Anspruch leuchtet im nachfolgend zitierten Verlagstext auf, nur dass beide, sowohl der politische Impetus als auch der Waschzettel, genügend unscharf bleiben, um das Buch klar der Sphäre der Literatur (und nicht der mehr oder weniger außerliterarischen des Agitprop) zuzuordnen, wofür natürlich an erster Stelle die Gedichte und Cut-ups selbst sprechen, auf die ich noch zurückkommen werde, aber nicht hier. Hier empfehle ich sie nur.

Kai Pohls Texte machen keine Zugeständnisse an irgendwelche Geschmäcker, Erwartungen oder Moden (es sei denn, die Cut-up-Technik wäre eine Mode) und sind doch zugänglich und eingängig, übrigens auch schön gesetzt, in einer serifenlosen Type, die das Kunststück fertigbringt, nicht kalt zu wirken.

„Die künstlerische Spannung spricht mit dem Reichtum der Raumeindrücke, Hütte spricht mit Stalinstadt, das Hähnchen-Eck, von Rentnern bevölkert, spricht mit dem letzten Nachtasyl. Die Konzeptionslosigkeit spricht mit der geistigen Leere, während der Käse den Quark austreibt, der an der Wand in der Küche hängt. Das Gewitter um Mitternacht ruft mit den Kollaborateuren visionärer Donnerbalkenbilanzen im Chor:
„Auf daß die Unhöflichkeiten methodisch werden, daß sie systematisch werden, sich zu einer diffusen effizienten Guerilla vereinen, die uns wieder zu unserer wesentlichen Unregierbarkeit zurückführt, zu unserer Undiszipliniertheit!””
(Text: Moloko +)

  • Kai Pohl, Solanum nigrum antichoc. Cut-ups und Gedichte. 96 Seiten mit Graphiken des Autors, Englische Broschur. Moloko +, Pretzien 2013. 15,00 Euro (= Moloko Print 007)

Links:
Distillery
floppy myriapoda
pappelschnee (Archiv Kai Pohl)
Rumbalotte continua
Solanum nigrum (Schwarzer Nachtschatten)

Zum Weiterlesen:
Bertram Reinecke, „Kai Pohl. Phantomkalender / da kapo mit CS-Gas

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