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Rinck, Verzückte DistanzenZunächst zwei Zitate:

was der hund sieht

was der hund sieht, wenn er mich sieht. / der hund sieht mich als die tapete seines napfs. / […]
Monika Rinck, zum fernbleiben der umarmung, S. 34

land des wohlergehns

[…] / wie widerwillig doch das licht vom wasser lässt, / die weichesten wellen, fältchen, noch immer / in matter beleuchtung. welch eine großmut. / […]
Dieselbe, dasselbe, S. 70

Das letzte Gedicht in zum fernbleiben der umarmung, „tour de trance”, endet mit den Worten: „[…] es dreht sich, / dreht sich unmerklich, und steht.”
Doch ist dem Ruhepunkt zu trauen? Steckt nicht auch eine Unruhe darin? Es dreht sich, und steht?, oder: Es dreht sich, unstet?

Verzückte Distanzen


zum fernbleiben der umarmung (gerade wiedergelesen) ist Monika Rincks zweiter Gedichtband, der erste, im Jahr 2004, war Verzückte Distanzen, vom zu Klampen! Verlag unlängst aus Anlass der Verleihung des Peter Huchel-Preises an Rinck in broschierter Sonderausgabe wiederveröffentlicht. (Rincks Dankesrede ist online nachhörbar und wird auch im aktuellen Heft, Heft 4/2013, von Sinn und Form dokumentiert: „Hirsche wittern. Birken imitieren Lichtmaschinen. Zur Kultur des Naturgedichts”.)

„Monika Rincks Lyrik […] hat dank einer fein komponierten Auswahl im zu Klampen Verlag endlich den Buchmarkt erreicht. Von der Gestalt eines Lauts, vom Kreisen der Radsportler im Velodrom oder von einer ins Peinliche gleitenden Intellektuellen-Party erzählt sie in einer berückenden Mischung aus Pathos und Ironie, zudem in Rhythmen, denen Zauberkraft innewohnt. […] Rincks Gedichte leben von der Extravaganz, von einer meist wunderwollen Verschrobenheit nicht nur im Ton und in der Bildsprache, sondern auch in der Bereicherung des lyrischen Vokabulars.”
tip Berlin

Mein Exemplar lagert in einem Karton unter einer Treppe bei Freunden, deswegen hier kein Zitat. Wie dem auch sei, Verzückte Distanzen ist ein hervorragender Gedichtband, ein starkes ‚erstes‘ Buch (im Sinne: von einem breiteren Publikum wahrgenommen).

  • Monika Rinck, Verzückte Distanzen. Gedichte. Herausgegeben von Heinz Kattner. 48 Seiten, Englische Broschur, 13 x 21 cm. zu Klampen! Verlag, Springe 2013. 9,00 Euro (Neuausgabe)

In zahlreichen Veröffentlichungen hat Rinck seither ihren Rang (wenn das wichtig ist) als Dichterin, Essayistin und Übersetzerin bestätigt.

Aus ihrer Übersetzungsarbeit – vielleicht der verborgenste Teil ihres Schaffens – seien stellvertretend drei Titel hervorgehoben.

Tomaž Šalamun, Rudert! Rudert!

Salamun, Rudert



























Am letzten Tag des Poesiefestivals Berlin (im Juni war das) las Monika Rinck, angetan mit blauem Kleid und in silbernen galaktischen Stiefeln, Gedichte von Tomaž Šalamun. Ich zuckte zusammen ob deren Derbheit, und bin doch sonst nicht schreckhaft.

Heilig ist ihm nichts, aber alles kann göttlich sein, bei Tomaž Šalamun, dem größten lebenden Dichter Sloweniens. Durch die unverbrauchten Bilder, Fragen und Befehle, die alle Normen herausfordern und zugleich unheimlich vertraut und richtig scheinen, wirkt seine Poesie seit 46 Jahren immer wieder von Neuem erfrischend frech, wendig und jung. Das Unschuldige und das Obszöne, das Triviale und das Gewaltige – in Šalamuns allumfassender Poesie liegen sie nahe beisammen. Mit seiner Freude am Sprachspiel und der unstillbaren Lust, jegliche Grenzen zu überschreiten, verführt er uns, mitzutanzen und zu staunen über die unendliche Vielfalt der Welt.”
(Text: Edition Korrespondenzen)

Tomaž Šalamun, geb. 1941 in Zagreb, aufgewachsen in Koper, lebt in Ljubljana. Er gilt als „der produktivste Störenfried und wortmächtigste Häretiker in der slowenischen Gegenwartsliteratur” (Michael Braun). Seine Gedichte sind in fast alle europäischen Sprachen übersetzt.

Erschienen ist Rudert! Rudert! in der Edition Korrespondenzen von Reto Ziegler, der bereits drei (!) andere Bücher Šalamuns herausgegeben hat. Näheres dazu auf der Verlagswebsite.

Senta Wagner vom Wiener Büro des Hotlist-Blogs hat für das CULTurMAG ein schönes Verlagsporträt über die Edition Korrespondenzen geschrieben, das (auch) hier nachzulesen ist.

  • Tomaž Šalamun, Rudert! Rudert! Gedichte. Slowenisch und Deutsch. Deutsche Erstausgabe. Übersetzt von Gregor Podlogar und Monika Rinck. 176 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Fadenheftung, Lesebändchen. Edition Korrespondenzen, Wien 2012. 21,00 Euro
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