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Ceronetti
(Foto: Mario Monge)

„Ich kann Ihnen nur sagen, daß er den Eindruck vermittelt, ein Verwunderter zu sein. Ebenso wie jene, bin ich versucht hinzuzufügen, denen die Gabe der Illusion verweigert wurde. Fürchten Sie sich nicht, ihm zu begegnen. Von allen Wesen sind noch jene am erträglichsten, die die Menschen verachten. Man soll nie einem Misanthropen aus dem Wege gehen.“
Emile Cioran

Er ging umher, am Hals ein Kästchen.
– Was verkaufst du hier wo es alles gibt?
Eine Leere verkauf ich, die allen fehlt,
Verkauf eine Abwesenheit, die ich hier nicht finde,
Ein Nichts verkauf ich, das man nicht aufwiegt.
Niemand der etwas von mir kaufte heute,
Aber morgen werdet ihr sehen wieviele Leute.

Mit welchem Dringen anstelle des Singens
Könnten wir erhellen deiner Nacht Schwärze
Du Erde die brennt, Erde die schmerzt
Trauer des Menschen, Krankheit des Menschen?
Schmerz anzutun ist all euer Tun:
Hast du geschaut in ein Gesicht des Menschen
Tu überhaupt nichts; Wohltun ist Nichttun.

  • Guido Ceronetti, Mitleidenschaften und Verzweiflungen. Gedichte. Aus dem Italienischen übertragen von Oliver Mertins und Nicola Cipani. Mit literarischen Portraits des Autors von Fruttero & Lucentini und Emile Cioran. 112 Seiten, englische Broschur. Druckhaus Galrev, Berlin 1999. 12,50 Euro

Nicht für alle, nur für die Edlen schreibe ich, um sie ein wenig von der Mühe abzulenken. Die Edlen des Schmerzes, des Denkens, der Krankheit, der Zerbrechlichkeit… Für sie werde ich nach hier und da gegangen sein, auf der Suche nach einem Italien, das ein Zeichen wäre und einen für Menschen wahrnehmbaren Ton aussenden könnte.“
Guido Ceronetti

Guido Ceronetti wurde am 24. August 1927 in Turin geboren.

Er ist Dichter, Philosoph, Schriftsteller, Journalist, Dramaturg und Übersetzer für Lateinisch und Althebräisch.

Dank an Rainer Schedlinski.

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